2. Tag - Alabama Hills und Death Valley

12.11.14 Mein erster Satz zu Anett war um 3 Uhr morgens: „Ich sagte doch, du brauchst keinen Wecker stellen.“ Dies hatte sie mich am Abend zuvor noch gefragt, da wir zum Sonnenaufgang zu den circa eine Stunde entfernten Alabama Hills fahren wollten. Und täglich grüßt der Jetlag, mit dem wir uns nach den vielen Reisen bereits abgefunden hatten, und nicht mehr versuchten, wie die ersten Male, auf Teufel komm raus einzuschlafen. Frisch geduscht packten wir unseren Explorer wieder und gingen über den Parkplatz zum Auschecken. Zwei Mitarbeiter standen vor der Lobby und waren sichtlich überrascht, dass wir schon so früh auf den Beinen waren. Einer der beiden meinte, dass er bereits das Frühstück fertig gestellt hätte, falls wir schon Lust drauf haben. Natürlich hatten wir das. Das Buffet war frisch gefüllt und alles war noch schön heiß. Das Risiko den Sonnenaufgang zu verpassen gingen wir beim Anblick von Rühreiern, heißen Würstchen und Waffeln ein. Somit war der Satz des Tages: „Frühstück ist wichtiger als Sonnenaufgänge.“ Als wir kurze Zeit später Ridgecrest noch immer bei Dunkelheit verließen, erschreckte uns ein großer Kojote der über die Straße humpelte. Er war wohl verletzt .Wir fuhren weiter die Route 395 nach Norden. Langsam fing es an zu Dämmern und man sah im Westen die zackigen Gipfel der Sierra Nevada aufblitzen. Laut der Anzeige des Navigationsgeräts sollten wir es noch pünktlich zum Sonnenaufgang schaffen. Nach einer guten Stunde Fahrt passierten wir das Städtchen Lone Pine, welches kurz vor den Alabama Hills liegt. Wir bogen nach Westen ab und erreichten den Eingang der tollen Hügel. Der angemalte Stein „Miss Alabama“ begrüßte uns grinsend. Wir haben leider hinterher vergessen ein Foto davon zu machen. Beim Hineinfahren in diese tolle Landschaft waren wir beide begeistert. Ich hatte mir die Alabama Hills viel kleiner und weniger prächtig vorgestellt. Aber es war genau das Gegenteil der Fall. Das Gebiet war riesig und die runden Steine lagen imposant in der Gegend herum. Den Parkplatz vom Trailhead zum Mobius Arch fanden wir schnell. Ich hatte mir zu Hause bereits die GPS Daten gespeichert. Ein Polizeiauto kreuzte kurz vor dem Parkplatz unseren Weg. Das hätte ich nicht gedacht, dass die hier auch Streife fahren. Der  Weg zum Mobius-Arch ist an den Rändern mit Steinen ausgelegt, so dass diesen jeder Besucher findet. Es begannen bereits die Spitzen, der sich im Westen befindlichen Berge der Sierra, rosa zu leuchten. Es war zwar nicht kalt, aber sehr windig, daher legten wir einen schnelleren Gang ein und erreichten in ein paar Minuten den berühmten Mobius Arch. Das Morgenrot hatte nun die kompletten Berge der Sierra , u. a. den Mt Whitney und den Lone Pine Peak, in ein sattes rosa gefärbt und wir saßen mehr als fasziniert hinter dem Arch  zum Gucken und Fotografieren. Ganz allein durften wir dieses Schauspiel genießen. Ein toller Start in den Urlaub. Kurze Zeit später bahnten sich die Sonnenstrahlen ihren Weg zum Arch und färbten ihn golden. Wir stromerten noch ein bisschen in der Gegend herum, zollten dem kleinen Lathe Arch noch seinen wohl verdienten Tribut und gingen dann zurück zum Auto. Jetzt kam uns ein Pärchen entgegen das auch zum Arch wollte. Das haben wir ja zufällig genau abgepasst. Es standen zwar jede Menge Wohnmobile in der Gegend herum, aber wir sahen, bis auf die zwei, keine Menschenseele. Wir folgten der Movie Flat Road ein paar Kilometer weiter nördlich, immer noch überwältigt von der wunderschönen Kulisse. Kein Wunder, dass in diesem Gebiet über 300 Filme gedreht wurden. Einer der aktuellsten ist wohl Django Unchained von Quentin Tarantino. Aber nicht nur für Western werden die Alabama Hills als Kulisse benutzt, auch für diverse Kriegsfilme, dienen sie, zum Beispiel zur Darstellung einer  Wüste im Mittleren Osten. (Ironman). Jährlich finden Filmfestspiele in Lone Pine statt, und zufälligerweise gerade dieses Wochenende, deswegen waren leider Monate vorher schon die Hotelzimmer hier ausverkauft oder total überteuert. Mehr dazu findet ihr hier: http://www.lonepinefilmhistorymuseum.org/. Nach ein paar Minuten bogen wir links in Richtung der Koordinaten des Cyclops Skull Arches ein. Die Straße wurde etwas ruppiger. Während die Movie Flat Road, mit normalem PKW befahrbar ist, wäre also diese, in die wir gerade eingebogen, nicht dafür geeignet. Nach knapp einem Kilometer stellten wir das Auto in einer Ausbuchtung ab und gingen Richtung Koordinaten. Wir kamen von hinten und sahen als erstes den Arch der Teil des Cyclops ist. Wird dachten allerdings es wäre ein einzelner, da er auch sehr imposant aussah. Als wir einmal um die Formation gingen, erkannten wir, dass er Teil des Cyclops Arches war. Leider lag die tolle Formation komplett im Gegenlicht, was kein schönes Foto zuließ. Dafür erfreuten wir uns aber so weiterhin am tollen Terrain. Der Wind wurde etwas schwächer und die Sonne heizte beständig das Gebiet weiterhin auf. Wir fuhren die Straße zurück nach Lone Pine und füllten unseren Tank auf, denn wir wollten weiter ins Death Valley. Über die Route 36 und dann auf der Route 190 fuhren wir immer weiter in Richtung Tal des Todes. Durch den starken Wind wurde an einigen Stellen der Straße, Sand vom Straßenrand auf die Fahrbahn geweht. Dies erzeugte ein tolles Flimmern, da der Sandschleier dicht über der Fahrbahn tänzelte. Wir hielten ein paar Mal an. Im Vorbeifahren trafen wir wieder auf einen Kojoten, der aber gesundheitlich besser aussah als der vom heutigen Morgen. Kurze Zeit später passierten wir die Grenzen des Nationalparks. Dort sind keine Ranger in Häuschen die den Nationalparkspass überprüfen. In diesem Moment dachte ich eben genau an diesen Pass und mir fiel ein wo er sich befindet. Nämlich am Kühlschrank zu Hause, sicher aufbewahrt. Sowas Ärgerliches aber auch. Wohl oder Übel mussten wir am Furnace Creek Visitor Center einen Neuen kaufen. Wir waren noch nie im Death Valley, da wir es ganz einfach immer ausgelassen haben. Ich wunderte mich warum. Der Grund lag wohl darin, dass ich mir das alles anders vorgestellt habe. Eher als kahle flache Wüste. Dies war es aber ganz und gar nicht. Schon der Weg dahin führte in Serpentinen steil bergauf und bergab. Ebenfalls hatte in meiner Vorstellung das Tal des Todes konstant unerträglich hohe Temperaturen. Dies war auch nicht der Fall, die Anzeige wechselte zwischen 22 und 27 Grad. Es war inzwischen kurz nach Mittag und der Jetlag setzte ein. Ich fühlte mich nicht so wohl und das ständige wechseln der Höhenmeter wirkte sich auf meine Ohren aus. Daher guckten wir uns die Mesquite Flat Sand Dunes nur von Weitem an. Ich hätte in diesem Moment eh keine Lust auf Sandkastenspielereien gehabt. Kurze Zeit später erreichten wir die Furnace Creek Ranch, eine kleine Oase im Tal des Todes mit dem Visitor Center und ein paar Hotels. Der Parkplatz war wie ausgestorben, ich befürchtete schon das Visitor Center hätte geschlossen. Es war offen. Ich kramte nach meinem Nationalparks Passport, den ich immer in den Visitor Centern abstemple. Dann fiel mir ein, dass er wie der Nationalparkspass sicher zu Hause lag, allerdings im Bücherregal im Wohnzimmer. Ich wollte mir in diesem Moment gar nicht vorstellen, was in diesem Urlaub noch so alles zu Hause gelassen wurde. Ich kann es aber eigentlich jetzt schon verraten, dies war Gott sei Dank das Letzte, was vergessen wurde. Wir betraten also das angenehm klimatisierte Visitor Center. Unser Auto ist zwar auch klimatisiert, ich hatte die Klimaanlage aber ausgemacht, da ich zunehmend vom Zug Ohrenschmerzen bekam. Der neue Nationalparkspass war schnell gekauft und wir sahen uns noch etwas um. Hier in Furnace Creek hatte es angenehme trockene 33 Grad in der Sonne. Es kam mir gar nicht so heiß vor, vielmehr hätte ich es mir in einem Liegestuhl in der Sonne gerade gemütlich machen können. Das ist wohl der Vorteil an der späteren Reisezeit, statt Hitzeschock viel mehr „Sunshine Reggae“. Was mich ganz besonders interessierte war das Badwater Basin, der tiefste Punkt der United States, 86 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen. Früher befand sich dort der prähistorische See Lake Manly, der sich weit nördlicher über Furnace Creek erstreckte. Durch die Verdunstung des Sees lagerten sich diverse Mineralien, vor allem Salze,  auf der Oberfläche ab. Von Furnace Creek aus benötigten wir ca eine gute halbe Stunde bis wir den Parkplatz erreichten. Ich war etwas enttäuscht, hatte ich mir das Terrain doch größer vorgestellt. Wenigstens waren nicht viele Menschen da. Direkt neben den Stegen sah ich ein Wasserloch. Daher stammt also das Wort „Badwater“. Das Wasser kommt aus unterirdischen Quellen, ist allerdings ungenießbar, da es sich mit den umliegenden Salzen anreichert. Jeder der sich mit dem Death Valley beschäftigt stolpert grundsätzlich über die wabenförmigen Salzkristallablagerungen, die sich über das Badwater Basin erstrecken. Wer nun erwartet, dass man den Steg hinunter geht und man die tollen Ablagerungen sieht, der wird leider enttäuscht sein. Höchstens an der Schautafel kann man erkennen wie es früher einmal aussah. Gegenwärtig ist das ganze Terrain platt getreten. Da es nicht allzu heiß war, beschlossen Anett und ich tiefer in das Tal hineinzugehen, in der Hoffnung, doch noch ein paar kleine Strukturen zu sehen. Nach circa 800 Meter tauchten die ersten Waben auf, zwar nicht strahlend weiß, wie man sie sonst so sieht, aber es sah toll aus. Wenn es nicht zu heiß ist, kann ich jedem empfehlen die paar Meter hineinzugehen, abseits der plattgetretenen Stellen. Gemütlich schlenderten wir zurück. Vorne wurden wir von zwei deutschen Mädchen gefragt, ob wir bis ganz nach hinten gegangen sind, und ob es sich lohnt. Wie soll man sowas beantworten? „So wie auf dem Bild siehts nicht aus, aber ich fands toll.“ Ich glaub mit dieser Antwort konnten sie nicht so viel anfangen, zumindest standen sie weiterhin etwas ratlos da. Inzwischen traf auch ein Reisebus ein, ich musste allerdings zweimal hinsehen, als die Besucher das Basin stürmten. Sie trugen alle etwas, das aussah wie riesige weiße Stiefelgamaschen. Ich guckte genauer hin, die Busreisenden hatten sich tatsächlich alle weiße Müllsäcke angezogen und an den Knien zusammen gebunden. Wir schauten beide, zugegeben etwas amüsiert dem Treiben zu. Eine Dame, ebenfalls aus dem Bus, stand ratlos am Eingang des Stegs neben uns. Ich sprach sie auf Deutsch an, da ich vorher bereits merkte, dass es eine deutsche Reisegruppe war: „Warum müssen sie das anziehen?“ Sie antwortete, selbst nicht gerade erfreut über dieses stylische Accessoire: „Unser Busfahrer hat heute morgen den Bus gesaugt und er will nicht dass wir den Dreck von da unten mit in den Bus nehmen.“. Klingt plausibel, dennoch fand ich es ein klein wenig lächerlich, eine Fußmatte vorm Bus hätte es wahrscheinlich auch getan. „Das sieht erstens blöd aus und zweitens ist es heiß.“ fuhr die Dame weiter fort. Ich erzählte ihr, dass es ähnliche Formationen wie auf der Schautafel sowieso erst dort hinten, einen halben Kilometer entfernt, zu sehen gibt und wünschte ihr eine schöne Reise. Kurz danach gab sie sofort die Müllsäcke dem Busfahrer, hätte ich auch getan. Vom Parkplatz aus warf ich noch einen kleinen verschmitzten Blick auf die übrig gebliebene Mülltütenfraktion im Badwater Basin, bevor wir uns auf den Weg zurück Richtung Artist‘s Drive machten. Der Artist’s Drive ist neun Meilen lang und eine Einbahnstraße, deren Einfahrt sich von Süden kommend befindet. Man gelangt dann wieder auf die Hauptstraße. Mir hat diese Strecke sehr gut gefallen. Schroffe Felsen vulkanischen und sedimentären Ursprungs haben durch die Oxidation von Metallen in den Gesteinen tolle verschiedene Farben erhalten. Am besten sieht man die Farben am späten Nachmittag, aber so lange wollten wir nicht bleiben. Der kleine Umweg lohnt sich aber definitiv. Die Müdigkeit setzte nun stärker ein. Der ständige Klimawechsel machte unseren Körpern doch mehr zu schaffen als wir vermutet hätten. Somit ließen wir den Golfplatz des Teufels (Devils Golfcourse) und wenig später auch den Zabriskie Point links und rechts liegen. Dante’s View wollten wir dennoch nicht verpassen und bogen am Schild rechts ab. Wer noch überlegt, ob er die 42 Kilometer Umweg machen möchte, dem kann ich nur dazu raten. Die Sicht vom Dantes View auf das Tal ist atemberaubend und beeindruckend. Ich hatte allerdings das Gefühl mich in Deutschland zu befinden. Obwohl kein Reisebus da war, sprachen fast alle Leute um uns herum deutsch. Witzig. Wir machten einen kleinen Spaziergang und fuhren dann die Strecke wieder zurück auf die Route 190. Nach einer langweiligen Fahrt durch die Wüste kamen wir in der Stadt Pahrump an. Was an dieser Stadt Besonderes ist? Die Prostitution ist dort, warum auch immer, erlaubt. Männermassen sahen wir dort allerdings keine. Aber einen Panda Express haben wir entdeckt. Das Frühstück war inzwischen verbrannt, somit hatten wir Platz für Chow Mein mit Orange Chicken und Teriyaki Chicken. Nach dem Essen schnellte das allgemeine Befinden wieder nach oben und wurde noch mit einem Vanilla-Shake von Sonic getoppt. Es ist schon eigenartig, wie der Jetlag sogar das Hungergefühl komplett durcheinander wirft. Die kurze Fahretappe vorbei am Red Rock Canyon war schnell gemeistert und wir konnten im vorgebuchten South Point Hotel in Las Vegas einchecken. Für einen Sonntag war hier viel los, uns fiel später ein, dass am nächsten Tag der gesetzliche Feiertag Columbus Day war. Wir wollten eigentlich dann zum Zion Nationalpark, aber erfahrungsgemäß platzt dieser Park an Feiertagen immer aus allen Nähten. Als erstes bezogen wir aber unser Zimmer im South Point Hotel, das wie immer sehr groß und schön war. Wir mussten allerdings noch am heutigen Tag unsere Kühlbox und weitere nützliche Gegenstände von Harald abholen. Harald ist ein Freund unserer gemeinsamen Freundin Bille, der so nett ist und für uns die Sachen in seiner Garage aufbewahrt. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlich bedanken. Da er Besuch hatte und noch bei einem Picknick war, vereinbarten wir uns um halb 8 zu treffen. Zeit also für ein Nickerchen. Obwohl ich vorher todmüde war, konnte ich nicht einschlafen, somit ging ich nach unten ins Casino und versuchte beim Craps ein bisschen mein Glück. Nach einer Stunde kam ich ohne Gewinn oder Verlust wieder auf’s Zimmer zurück und surfte ein bisschen im Internet. Irgendwann, war es dann Zeit um zu Harald zu fahren. Wir überreichten ihm die Mitbringsel und er uns die Kühlbox & Co. Leider konnten wir nicht länger bleiben, da wir komplett kaputt waren und die Kühlbox noch für die nächsten Tage befüllen mussten. Das müssen wir unbedingt nachholen. Er empfahl uns noch eine günstige Tankstelle auf der Paradise neben dem Smiths Supermarkt, in dem wir auf die Schnelle noch die Vorräte einkauften. Als wir vorm Salat standen donnerte es plötzlich, Anett guckte mich an. Das Donnern kam aus Lautsprechern über der Gemüseabteilung und plötzlich setzte auch Regen ein. Der Regen fiel nicht auf uns, sondern auf den Salat, um ihn frisch und knackig zu halten. Das mit dem Wasser haben wir schon mal gesehen, aber noch nie die Special Effects dazu. Nach dem Einkauf tankten wir noch an der empfohlenen Tankstelle und fuhren sofort ins South Point. Dort gab es auf die schnelle bei Steak ´n Shake noch einen Frisco Melt. Auf Spielen hatten wir keine Lust mehr, wir wollten nur noch schlafen. Es war ein langer Tag.
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Tag 2: Alabama Hills & Death Valley
Übernachtung
South Point Hotel, Casino and Spa 9777 S Las Vegas Blvd Las Vegas, NV 89183 http://www.southpointcasino.com/ “Suite Upgrade bekommen, tolles Hotel! SchlechteLage” Panda Express 280 State Highway 160 Pahrump, NV 89048 Vereinigte Staaten http://www.pandaexpress.com/ Orange Chicken mit Cow Mein 5 von 5 Sterne Steak 'n Shake 9777 Las Vegas Blvd S Las Vegas, NV 89183 Vereinigte Staaten http://www.steaknshake.com Frisco Melt mit Cole Slaw 5 von 5 Sterne
gefahrene Meilen: 362
Essen
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