REISEBERICHT - USA - HIGHLIGHTS DES WESTENS

TAG 5 - PAGE, AZ

ZUR REISEÜBERSICHT

 

VORHERIGER TAG

 

REISEBERICHT - PAGE - ARIZONA

 

PAGE, ARIZONA

 

ODER EIN HEISSER TAG IM KÜHLEN NASS

 

Das Bett ist bequem, somit die Nacht sehr entspannend. Ich stehe auf und genieße gleich mal meinen ersten Kaffee im schön angelegten Innenhof des Hotels. Es ist gerade einmal halb 7 und schon jetzt sind ein paar Gäste ebenso auf den Beinen und sogar schon wieder unterwegs. Das deutsche Erkennungszeichen ist dieses Jahr nicht die Jack Wolfskin Jacke sondern T-Shirts mit einem dicken Levis Logo geprinted. Diese gibt es meist in schwarz und weiß, während weiß die beliebtere Farbe ist. Zu Hause in Düsseldorf ist irgendwie auch seit gefühlt 1,5 Monaten jede zweites Mädel im Alter zwischen 12 und 30 mit dieser plakativen Oberbekleidung unterwegs. Levi Strauss würde es freuen. Zu meiner aktuellen Verwunderung, werden hier im Hotel die Shirts sogar im Partnerlook getragen. Das kenn ich ja noch gar nicht. Schmunzelnd schütte ich mir nochmal eine Tasse Kaffee ein, gepimpt mit Coffe Matte Vanilla schmeckt selbst der Kaffee aus dem Zimmer ganz annehmbar.

 

Gegen halb acht wollen wir einmal das kleine Frühstücksbuffet testen, welches sich gleich hinter der Rezeption befindet. Es ist draußen noch nicht allzu heiß und es gibt genügend Sitzmöglichkeiten im Innenhof. Dennoch sehen wir, dass hier stur die wenigen Tische im kleinen Frühstücksraum von den Gästen belagert werden. Ich packe mir mein Tablett voll mit einer frischen Waffel aus der Maschine, Croissant, Muffin, einem Ei und Orangensaft und mache es mir draußen mit Nathalie gemütlich. Ein herrlicher Start für den Tag. Beim Abräumen verkündet eine Dame ihrem werten Gatten, wie schlimm sie es doch findet, wie viel hier in Amerika weg geschmissen wird. Diese Styroporteller! Wieso nehmen die denn kein Geschirr. Mich wundert es, dass sie nicht noch die kostenlosen Walmart-Tüten mit in ihre Schelte miteinbezogen hat. Ja, so sind wir Deutschen. Wir weisen gerne, wenn wir im Ausland sind, die Einheimischen auf Dinge hin, die bei uns besser laufen. Vor allem beim Umweltschutz und der Ernährung. Wieso das so ist? Ich finde gerade keine Antwort, nur fällt mir dennoch aktuell eine Vielzahl an Dingen ein, die ich in den USA mehr liebe als in Deutschland. Wer im Glashaus sitzt und so. Ich schmunzle mal wieder und tu so, als würde ich nichts verstehen.

 

 

Die Dame an der Rezeption ist sympathisch, gerne wechselt sie mir auf Nachfrage zwei Dollar in Quarter damit ich die Waschmaschine und den Trockner benutzen kann. Ob ich Waschmittel brauche? Die Frage verwirrt mich, da ich gestern beim junge, etwas unmotiviertem, Herren danach gefragt hatte, der gerade seine Spätschicht schob. Der hatte nämlich keins. Doch, doch, die Dame holte euphorisch ein paar kleine Packungen unter dem Tresen hervor. Na, jetzt hatte ich schon welches gekauft, macht ja auch mehr Sinn, wir wollen ja noch öfter waschen. Wie lang das Waschen dauert frag ich. „45 minutes!“ – Was wir heute noch so vorhaben will die nette Dame wissen, es wird ein heißer Tag. Ja, was haben wir denn vor? Das weiß ich gerade gar nicht so genau. Ehrlich gesagt wollte ich ein Permit für den Waterholes Canyon besorgen, da es aber so heiß ist, erst am späten Nachmittag hinfahren.

 

Während wir uns für den Tag fertig machen, reinigt und trocknet sich unsere Wäsche im ersten Stock. Es klingt doch nach einer guten Idee bis nachmittags etwas Strandurlaub am Lake Powell einzulegen. Kurze Zeit später sind wir auch schon unterwegs. Schnell noch ein Zwischenstopp bei Walmart, Mittagessen kaufen. Southern Chicken Wraps und eine Smoked Ham Lunchbox finden Platz in unserem Einkaufswagen. Ich bin auf die Fleischtheke aufmerksam geworden. Gourmet US Beef, das goldene Siegel strahlt mich quasi an, darunter zwei fein marmorierte knapp 800 g schwere Ribeye Steaks. An denen komm ich nicht vorbei für $ 16, 2 $ Grillanzünder, 4 $ ein kleiner Sack Holzkohle landen auch noch im Wagen, und natürlich 2 graue Badetücher, $ 4 das Stück. Beim Einladen des BBQ-Zubehörs verweile ich etwas wehmütig in der Gartenabteilung. So schöne Sachen! Ich träume ein bisschen, was ich denn alles kaufen würde, hätte ich in den USA ein eigenes Häuschen mit Veranda, Schaukelstuhl und kleinem Garten.

 

Genug geträumt. Ab zum Antelope Point, vorher wollen wir aber noch am Horseshoe Bend nach dem rechten sehen. Schon von weitem erblicken wir die Parkplätze. Sehr wohl richtig, Plural. In den Jahren hat sich dieser Spot neben dem Antelope Canyon wohl zum meist besuchten Touristenhighlight hier in der Gegend gewandelt. Es gibt jetzt zwei Parkplätze, die grob geschätzt Platz für ca. 100 Autos bieten, diese sind voll. Ich würde  sagen, wir kommen morgen gleich nach dem Aufstehen wieder. Weiter geht es zum Antelope Point, wir zeigen unseren NP-Pass und dürfen kostenlos rein. Die Abfahrt zur Marina lasse ich links liegen und fahre weiter zum Parkplatz an der Bootsrampe. Dieser ist auch extrem voll. Ich frage eine Rangerin, ob sie einen guten Spot am Rand zum Baden wüsste. Ja klar, überall wo man runterklettern kann. Klettern und in Badelatschen, ein aufgeschürfter Ellbogen ist eigentlich genug.

 

 

Die Mittagssonne knallt, der Parkplatz strahlt die Hitze zurück. Wir überlegen kurz, die Algenschicht am Ufer lädt nicht gerade zum Reinspringen ein. Weiter hinten ist es schöner, aber das ganze Zeug dahin schleppen? Nee. „Lass uns doch zum Lone Rock Beach fahren, da können wir mit dem Auto auf den Sandstrand bis ans Ufer!“ Gute Idee, gesagt getan. Auch hier ist die Rangerstation besetzt und wir zeigen brav unseren Nationalparkspass. „Oh nein!“ – ein paar Meter weiter können wir von der Anhöhe den Lone Rock Beach sehen, aber der Rock ist nicht gerade einsam. Es reihen sich locker 50 Wohnmobile aneinander. Labor Day. Ich hasse Feiertage, die bringen nur überfüllte Orte und teure Hotelpreise mit sich. Stop, in Deutschland mag ich sie. Es ist bereits früher Nachmittag und bis jetzt haben wir ehrlich gesagt noch gar nichts gemacht.

 

Um nicht noch mehr von diesem schönen heißen Tag zu verschwenden geht es jetzt einfach zurück ins Hotel. Dort haben wir den schönen Pool ganz für uns alleine. Es wird sonnengebadet und geplantscht was das Zeug hält. Wir futtern unseren Southern Chicken Wrap, den ich übrigens sehr empfehlen kann und trinken leckeren Rockstar Kona Blend Eiskaffee. So schön kann urlauben sein und man kann eine schöne Urlaubsbräune erzielen.

 

 

Gegen kurz vor vier fällt mir ein, dass wir vergessen haben uns das Permit für den Waterholes Canyon zu besorgen, als wir vorher am Antelope Canyon vorbei gefahren sind. Wir packen unsere Getränke ein und Kamera und kurze Zeit später passier ich den Parkplatz der Navajos. Ein Permit bekomm ich keins, schon so spät, der Verantwortliche ist schon weg, aber ich soll es mal die Straße hoch versuchen. Dort werden die Antelope Phototours angeboten, das kannte ich ja noch gar nicht. Ein Permit hat die Dame im Kassenhäuschen aber dennoch nicht. „Was willst Du jetzt im Waterholes Canyon? Da kannst Du eh keine Fotos machen!“ Ich versuche ihr deutlich zu machen, dass ich dort nicht zum Fotos machen  hin will, sondern zum Sonnenuntergang. Sie guckt mich ungläubig an. Dann wiederholt sie ihren Satz nochmal und fügt hinzu, ich soll morgen um zehn nochmal kommen und die Fototour im Antelope Canyon machen. Ich habe das Gefühl ich spreche gegen eine Wand. Nein, ich möchte für heute ein Permit für das Gebiet des Waterholes Canyon, mehr nicht. Nein.

 

Ich bekomm keins. Ihr Ernst ? Ja. Es ist ihr ernst. Ich starte den letzten Versuch der Stammesfrau nochmal genau mein Anliegen zu erklären. Ihr Vorschlag ist, wenn ich unbrauchbare Fotos will, soll ich doch die letzte Tour mitmachen, nur $ 50. Wer mich kennt, der weiß, dass seit spätestens 2015 zwischen den Navajos und mir wahrscheinlich das Kriegsbeil oder der Klappstuhl ausgegraben wurde. Ich gucke auf meine Uhr, es ist bereits halb 5. Ich resigniere. Kopfschüttelnd begebe ich mich zu meinem Auto zurück und erkläre Nathalie, dass wir kein Permit bekommen und die einzige Option ist, die Tour zum Antelope Canyon jetzt zu machen. Nathalie fasst denselben Gedanken wie ich. Das Permit zum Waterholes Canyon, welches die beste Option war eine kleine Wave und einen kleinen Slot Canyon zu erleben, kostet $ 16. Dieses wird uns aus undefinierbaren Gründen abgelehnt, oder ist der Grund definierbar? Ist der Grund vielleicht, dass wir mehr bezahlen sollen? Wir möchten niemanden etwas unterstellen, aber beschließen wehmütig hier und jetzt einfach zu fahren.

 

Leider haben wir morgen schon andere Pläne, sonst hätten wir es nochmal beim Navajo Visitor Center in Lechee versucht. Ich  nahm es auf meine Kappe, ich hätte das Permit gleich heute Vormittag dort holen sollen. Wir schließen das Kapitel zumindest für diesen Urlaub. So, was tun mit diesem angebrochenen Tag. Kurz vor Page, hinter dem Glen Canyon Dam, soll es eine First Wave nur unweit der Straße geben. Ein Versuch ist es wert, ist auch kein Navajo Land. Ein paar Meilen später bremst uns eine Schranke aus. „No Trespassing!“ – Heute ist der Wurm drin. Ich hatte in anderen Reiseberichten noch nie von einer Schranke gelesen. Der Parkplatz vom „Trailhead“ befindet sich 200 Meter weiter hinten. Mir ist nicht wohl bei der Sache. Wir stellen das Auto am Rand ab und stapfen ein bisschen durch das Gelände in Richtung „New Wave“, aber irgendwie habe ich kein gutes Gefühl und wir beschließen umzukehren. Ich habe keine Lust auf Privatgrund zu laufen, das Schild wird schon seinen Sinn haben. Die Sonne bahnt sich schon ihren Weg nach unten zum Horizont.

 

  

 

Ein Notfallplan muss her und der sieht so aus. Hinter dem Glen Canyon Dam auf der Seite von Page gibt es einen Scenic Point. Hier sind ein paar Stufen in den Fels geschlagen. Ich war noch nie dort und das ist jetzt die Rettung. Wir parken neben zwei anderen Autos und gehen die Stufen nach unten. Hey! Schön ist es hier, wieso war ich hier noch nicht? Die roten Felsen sind bereits von der untergehenden Sonne orange gefärbt. Ich klettere ein bisschen in der Gegend herum, danach suchen wir uns einen schönen Spot auf einer Anhöhe, von dem man auch in den Canyon blicken kann. Ein paar Menschen sind da, aber auf dem großen Gelände verteilt sich das alles, so dass man in Ruhe die Szenerie aufsaugen kann. Wunderschön und manchmal sind  sogar die unspektakuläreren und gängigsten Locations dann doch die bessere Wahl.

 

 

Nachdem die Sonne bereits hinter dem Horizont verschwunden ist, tauchen immer mehr Menschen auf. Eine Frau räkelt sich auf dem Stein hinter uns für ihren Mann in undefinierbaren Posen für ein perfektes Foto. Ich verdrehe die Augen und just in diesem Moment fällt mir mein Rib-Eye ein. Ab ins Hotel würde ich sagen und den Grill anwerfen!  Der Innenhof des Hotels ist etwas voller, viele genießen die angenehmen Temperaturen, welche sich nach Sonnenuntergang wieder eingestellt hatten. Ich mache mir kurz Gedanken, ob der Grill die Leute nicht stören könnte, aber ganz ehrlich, damit müssen sie jetzt leben. Und das tun sie, keiner meckert, ach das ist schön.

 

Nach einer guten halben Stunde habe ich eine schöne Glut zusammen gekriegt, jetzt dürfen die zwei Rib-Eyes schön brutzeln. MMMMMMMMMMMMMMMH! Zwei nette Herren lassen mich wissen, dass sie schon etwas neidisch sind, aber ich gebe nichts ab. Es gibt Nudelsalat und Kartoffelsalat als Beilage, aber wir sind uns beide einig, das Rib-Eye reicht völlig. Es braucht nur Salz und Pfeffer, das beste Steak, das ich je gegessen habe. Auch Maiskolben haben wir mit Schale in Wasser eingeweicht und später gegrillt. Wir sind allerdings so satt, dass die beim besten Willen nicht mehr reinpassen. Schnell packen wir zusammen und verziehen uns aufs Zimmer um noch etwas kulinarisch von Food Network berieselt zu werden.

 

 

 

NÄCHSTER TAG

 

ZUR REISEÜBERSICHT

 

 

I