6. Tag - Ecola State Park - Cannon Beach

Roadtrip – NORDWEST NACH SÜDWEST

Mitten in der Nacht habe ich noch die Pizza im Badezimmer verstaut. So ein riesiges Teil, war selbst uns mit unserem Bärenhunger von gestern nicht fertig zu kriegen. Zum Frühstück gibt es die aber heute nicht, denn hier im Hotel gibt es Gutscheine, nämlich für ein „Hot Breakfast“. Das wird allerdings nicht hier serviert, sondern im Casino. Ja richtig gehört, hier gibt es ein Casino, betrieben vom Stamm der Quinault. Wir packen also schnell zusammen und räumen unseren Wagen wieder voll. Mit der Zeit lernt man wieder das richtige Koffer-Tetris. Kurz die Straße runter, dort ist schon das Casino. Es wird allerdings gerade umgebaut. Nur eine kleine Fläche ist mit Automaten bestückt, aber wir suchen ja sowieso das Restaurant. Dieses überrascht uns dann doch sehr, denn es besitzt an einer Seite bodentiefe Fenster und bietet einen wunderschönen Blick auf den Pazifik. Da schmecken doch die Eier und Würstchen noch viel besser. Zum Schluss riskieren wir eine kleine Runde im Casino.

Frühstück im Quinault Casino
Casino Automat Quinault

Doch so wirklich will es nicht klappen und so machen wir uns um $ 10 ärmer wieder auf den Weg. Für uns geht es wieder ein kleines Stück nördlich und dann auf der 109 nach Aberdeen zu fahren. Aberdeen,  „Come as your are“ steht unter dem Ortseingangsschild.  Ich war Teenager in den 90ern, da weiß ich natürlich, dass die Grunge Legende Kurt Cobain hier geboren ist. Es gibt in Aberdeen einen kleinen Park, in dem ein kleines Denkmal für den bereits verstorbenen Sänger steht. Da wir sowieso ein paar Vorräte auffüllen möchten, beschließen wir Aberdeen also einen Besuch abzustatten. Schon als wir am Stadtrand ankommen, sehen wir das Elend links und rechts der Straßen. Auch im Zentrum, gibt es mehr verlassene Häuser und Fabriken, als bewohnte. Eine seltsame Stimmung umgibt uns, obwohl für die Einwohner hier alles normal zu sein scheint. Zerbrochenes Glas, Müll auf den Straßen, verwahrloste Menschen. 

Wir parken vorm Safeway und holen uns etwas Essen von der Deli Theke und Getränke. Auch hier, der Großteil verwahrloste Menschen, 19 % leben in Aberdeen unter der Armutsgrenze. Was ist hier wohl passiert? Die großen Industriekomplexe zeugen von einer blühenden Wirtschaft in der Vergangenheit. Auch die Architektur im Zentrum ist trotz der Zerstörung immer noch faszinierend. Später lesen wir, dass Aberdeen eine große Rolle beim Bau der Northern Pacific Railroad spielte und am Ende des 19. Jahrhunderts eine erfolgreiche Stadt war. Traurig sie jetzt so zu sehen, kein Wunder, dass sie als Geburtsstadt des „Grunge“ gilt. Das Kurt Cobain „Under the Bridge Memorial“ befindet sich unten am Wishka River in einem kleinen Park. Die Umgebung wird nochmal schlimmer als im Zentrum, auch diese Orte gehören zu den USA. Im Park die Warnung vor Herionspritzen, wir fahren wieder. Noch eine halbe Stunde später reden wir über den Ort, er hat etwas mit uns gemacht. Würden wir empfehlen ihn als Tourist zu besuchen? Ja, auf jeden Fall, eine Durchfahrt lohnt sich.

Astoria Columbia River

Wir verlassen die Olympic Peninsula und fahren den 101 nach Süden. So lange, bis wir den Columbia River erreichen. Woran denkt man als Erstes? Natürlich, an die Lewis-und-Clark-Expedition. Kein anderer als Thomas Jefferson schickte damals die beiden Entdecker los um den Westen des Landes zu erkunden. Wir werden auf unserer Reise noch weitere Stationen der letzten Etappen ihrer Expedition entdecken. Die Astoria Bridge verbindet Washington mit Oregon und spannt sich 6 km über den Columbia River. Sie ist die letzte Brücke, bevor der Fluss in den Pazifik mündet. 

Von Washington aus befindet sich der Großteil der Brücke nur wenige Meter hoch über der Wasseroberfläche, bis man dann steil auf eine grüne Fachwerkbrücke nach oben fährt. Wir sind in Astoria, Oregon. Hier warteten Lewis und Clark am Ende ihrer Expedition auf das Schiff, das sie wieder zur Ostküste zurückbringen sollte, verbrachten sogar den ganzen Winter 1806 in der Stadt. Das Wahrzeichen Astorias ist die Astoria Column, eine Säule mit einer Aussichtsplattform, von der man über die Mündung des Columbia River blicken kann. Sie wurde zur Ehren der vollendeten Expedition errichtet. Für uns geht es weiter Richtung Süden. Den Fort Stevens State Park sparen wir uns, obwohl ein Besuch sicher interessant ist.

Wir erreichen das Städtchen Seaside, dort erblicken wir eine kleine Outlet Mall inklusive Nike Factory Store. Dort gucken wir doch mal rein. Ich finde zwei T-Shirts und eine Jogging-Hose, Nathalie geht leider leer aus. Heute wollen wir aber sowieso nicht groß Einkaufen, sondern zu unserem Ziel, dem Ecola State Park. Dieser befindet sich nicht mehr weit von uns, in knapp 15 Minuten sind wir an der Parkeinfahrt und zahlen einen Obolus von $ 5. Der Ecola State Park erstreckt sich 14 km entlang der Pazifikküste zwischen Seaside und Cannon Beach. Der Norden besteht aus einer Felsenküste Tillamook Head, dort vorgelagert befindet sich auch der 1881 errichtete Leuchtturm Tillamook Rock. Im Süden des Parks erstrecken sich die beiden Strände Crescent und Indian Beach. Vor allem der Indian Beach ist ein Paradies für hart gesottene Surfer. Die vorgelagerten Felsen sind ein Paradies für Seelöwen und Meeresvögel. Man kann auch im Frühjahr Grauwale beobachten.

Selbst hier treffen wir wieder auf die Geschichte der Lewis und Clark Expedition. Während die Expedition in Fort Clatsop bei Astoria überwinterte, bekamen sie Fleisch von einem gestrandeten Wal von den Clatsop geschenkt. Clark suchte daraufhin mit ein paar Männern nach dem Wal, um noch mehr Fleisch und Tran zu holen, und fand diesen auch, in der Nähe von Tillamook Head. Den Bach den Clark dort vorfand benannte er nach „Ekoli“, dem Chinook Wort für Wal. Am Wal gab es übrigens kein Fleisch mehr, aber sie kauften den Indianern jede Menge Fleisch und Tran ab. Wir hatten zum Glück aus Aberdeens Safeway noch unsere Vorräte dabei und konnten somit getrost auf gestrandete Wale verzichten.

 

Ecola State Park Aussicht

Vom Self-Service Kassenhäuschen ist es nicht mehr weit bis zum großen Parkplatz, welcher hoch über dem Meer auf einer Klippe liegt. Wir steigen aus und gehen Richtung Abgrund. Wow, was für eine Aussicht. Man kann Kilometer weit über die Pazifikküste nach Süden blicken. Die Wellen brechen sich schon weit vorm wunderschönen Sandstrand. Das Wasser besticht durch seine atemberaubende türkise Farbe, die Sonnenstrahlen glitzern darauf. Eine angenehm kühle Meeresbrise weht uns um die Nase, während wir begeistert mindestens eine viertel Stunde in die Ferne schauen. Hier oben gibt es eine große Wiese, mit vielen Picknick Tischen. Dort packen wir unseren Proviant und Gasbrenner aus und essen mit der fantastischen Aussicht ein verspätetes Mittagessen. Danach erfasst uns die Müdigkeit und wir überlegen ob wir noch zum Indian Beach fahren sollen, oder in unserem Hotel für heute, der Ecola Lodge, einchecken. 

Die Wahl fällt nicht leicht, denn an den Stränden des Ecola State Parks wurden die Szenen am „La Push“ Strand im Film “Twilight – Biss zum Morgengrauen” gedreht. Dennoch bin ich so müde, dass mich die Unlust packt. Es geht also die paar Meilen runter zum Hotel, wo uns eine nette ältere Dame in der rustikalen Rezeption mit frisch gebackenen Cookies empfängt. Dazu gibt es frischen Kaffee aus der Keurig Maschine. Die Auswahl an Kapseln ist hier echt groß. Wir bekommen unser Zimmer zugewiesen und rollen unser Gepäck die Veranda hoch. Das Haus besteht aus mehreren zweistöckigen Gebäuden, zwischen denen sich ein wunderschön angelegter Garten in der Mitte befindet. Die Wände sind alle mit Schindeln bedeckt, was einen gemütlichen Flair ausstrahlt.

Picknick im Ecola State Park
Ecola Creek Lodge

Wir fallen kurz ins Bett und legen die Beine hoch, die letzten Tage hängen uns etwas in den Knochen. Nachdem wir uns ausgeruht haben, schultern wir die Kamera und gehen die kleine Straße stadteinwärts bis wir zum Strand abbiegen können. Den erreichen wir kurz vor der Mündung des Ecola Creek ins Meer. Die Sonne steht schon tiefer und wir beschließen gemütlich zu den berühmten Felsen des Cannon Beach zu schlendern. Der große Fels hat den Namen Haystack Rock, die kleineren heißen „Needles“, da sie aussehen, wie Nadeln, die aus dem Meer ragen.  Auf dem ersten Abschnitt haben wir den Strand fast für uns alleine. Als wir am Haystack Rock ankommen, haben sich schon mehrere Fotografen positioniert, um den Sonnenuntergang einzufangen.

Ecola Creek Muendung

Wir setzen uns an den Strand und schauen dem Treiben zu. Natürlich wollen wir auch Fotos machen, und sichern uns auch einen guten Platz. Leider ist der Himmel sehr klar, daher müssen wir heute auf dramatische Lichtstimmungen wohl verzichten. Das macht den Sonnenuntergang aber nicht minder beeindruckend. Die Menschen verteilen sich gut auf dem riesigen Sandstrand und als die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, beginnen sie Lagerfeuer anzumachen. Das Meer, der Sand, der violette Himmel und überall kleine Feuerstellen verteilt, was für eine schöne Stimmung.

Haystack Rock Cannon Beach

Da es schnell dunkel wird, wollen wir nicht mehr den langen Weg am Strand zum Hotel gehen, sondern schlendern durch die Stadt. Cannon Beach ist ein charmanter kleiner Ort, aber leider haben alle Restaurants schon geschlossen. Allein die Fassaden und Dekorationen sehen schon so einladend aus, dass wir deswegen wirklich ein wenig enttäuscht sind. Der Fußmarsch von eineinhalb Meilen zum Hotel kommt uns jetzt auf einmal wie eine Ewigkeit vor, kein Wunder mit knurrendem Magen.

Cannon_Beach_Haystack

Dort angekommen stellen wir fest, dass auch die Fast Food Läden in Seaside bereits alle geschlossen haben. Oh nein, was essen wir denn jetzt? Gut, dass wir noch die halbe Pizza von gestern haben, allerdings schmeckte sie kalt nicht mehr gerade gut. Da hilft nur schnell schlafen.

Übersicht Roadtrip - Nordwest bis Südwest

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