3. Tag - San Francisco

Roadtrip – Naturwunder des nordwestens

Wecker hätte ich gestern nicht vorsichtshalber stellen brauchen. Wenn man schon so früh einschläft, dann ist man auch um 3 Uhr morgens hellwach. Einen kurzen Augenblick dachte ich, dass ich während dieser Reise meinen Jetlag wohl nie auskurieren werde. Anstatt sich zu ärgern, beschloss ich aber die Gunst der frühen Stunde zu nutzen. Mein erster Blick aus dem Fenster verhieß Gutes. Es war nicht bedeckt. Nach zwei Tassen Foster’s Kaffee entschloss ich mich um 4 Uhr morgens die leeren Straßen unsicher zu machen und ging zum Parkplatz. Ich hoffte, dass um diese Uhrzeit keine komischen Nachtmenschen auf den Viewpoints herum schwirrten. Ich fuhr zur Golden Gate Bridge. Als ich den Tunnel, der sich davor befindet, verließ machte mein Herz einen kurzen Hüpfer, denn die Brücke war frei von Nebel.

Fast allein passierte ich den Stahlkoloss und bog rechts auf den Viewpoint ein. Der Mond schien noch hell über dem Geschehen. Ein eiskalter Wind durchschnitt meine Kleidung, aber ich war zu beeindruckt um zu frieren. Ich machte Fotos und bestaunte das tolle Bauwerk. Langsam ging die Sonne hinter Oakland auf, und ließ den Horizont in den schönsten Rot und Orangetönen erstrahlen. Als es heller war stieg ich wieder ein und fuhr auf die andere Seite um von den weiteren Viewpoints noch Fotos zu schießen. Hinter dem Hügel kommt die Macht dieser Brücke erst richtig zur Geltung.

Ein Radfahrer sprach mich an, der ziemlich gut deutsch sprach. Seine Kumpels würden gerade die Bay schwimmend überqueren. Manche Leute brauchen anscheinend mehr Kicks als ich, mir reichte schon die tolle Aussicht. Es war inzwischen schon sechs Uhr und mein Magen meldete sich zu Wort.

Vorher bin ich an einem IHOP vorbeigefahren, direkt auf der Lombard Street. Ich packte zusammen und kutschierten zurück auf die San Francisco Halbinsel. Die Brückenmaut muss nicht mehr bezahlt werden. Das Nummernschild wird gescannt und der Betrag von der Mietwagenfirma berechnet. Es ist auch möglich einen Brückenpass bei Dollar zu kaufen. Es waren glaube ich sechs oder sieben Dollar pro Tag, was sich bei meinem geringen Brückenverschleiß nicht rentierte. IHOP hatte Beeren French Toast Brioche im Angebot. Für 6,99 € gab es zwei Brioche French Toasts, getoppt mit Blau- und Erdbeeren und Schlagsahne. Dazu gab es Spiegeleier und Hashbrowns. Für die, die Hashbrowns nicht kennen, empfehle ich, sie unbedingt zu probieren. Es sind Kartoffelschnipsel in der Pfanne gebraten, ähnlich Kartoffelpuffer, aber lockerer und leckerer.

Danach fuhr ich nochmal kurz zum Hotel zurück und akklimatisierte mich etwas. Um neun schlenderte ich gemütlich Richtung Fisherman’s Wharf. Am großen Schild und den Fischmarkständen, die aber noch nicht gefüllt waren, vorbei. Die Straßen waren immer noch sehr leer und eine ruhige Atmosphäre lag, im Gegenzug zu gestern, in der Luft. Es war schließlich ein Feiertag. Memorial Day. Ich ließ mir Zeit am Pier 39, guckte hier und da. Den Seelöwen stattete ich dann auch noch einen Besuch ab, die sich eng aneinander kuschelten.

Nur ein paar waren aktiv, spielten und tollten herum. Einige machten sich laut bemerkbar. Die Inhaber der Ladengeschäfte und Stände am Pier 39 machten sich fertig, um später dem Feiertagsansturm gerecht zu werden. Geduldig beantwortete eine Dame, die Perlen verkaufte, und auch lebende Austern mit Perlen, meine Frage. Schade, die Austern kamen aus einer Farm. Es ist ziemlich unwahrscheinlich so viele Austern mit Perlen in freier Natur zu finden. Das ist eher selten. Sie erklärte mir ausführlich den Prozess der Perlenzucht. Da mich gestern der rege Verkehr nervte, hatte ich eine Idee. Es wurden, wie in anderen großen Städten auch, Hop On, Hop Off Touren angeboten. Das Prinzip ist einfach. Es ist eine Stadtrundfahrt in einem Bus, der an den wichtigsten Stationen hält. Interessiert einen die Station, dann springt er ab, und nimmt dann den nächsten Hop on Hop off Bus, der ca. alle 15 Minuten an der gleichen Stelle wieder hält.

Jeder der in San Francisco schon mal Auto gefahren ist weiß, dass hier Parkplätze Mangelware sind. Besonders am Feiertag. Ich fragte die Dame am Schalter nach AAA Rabatt. Den hätten sie wohl nicht, aber sie könne mir den Senior Rabatt geben. Okay, ich sehe zwar nicht so alt aus, aber das war doch mal recht Zuvorkommend von ihr. Statt 18 Dollar, zahlte ich 16 Dollar. Es lohnt sich also mal nachzufragen. Der erste Bus fuhr am Pier 39 um 10 Uhr los, die Wartezeit bis dahin vertrödelte ich im Hard Rock Café, in dem ich mir endlich mein San Francisco Shot Glass kaufte, plus eine Limited Edition. Punkt zehn Uhr fuhr der Bus los. Eine nette Reiseleitung erzählte viele interessante Dinge über Fisherman’s Wharf und über alle anderen Stadtteile die ich passierte. Durch Chinatown ging es über den Nob Hill und den Russian Hill zum Union Square.

Ich fand die Informationen der Reiseleitung recht interessant und stieg an keinem der Punkte aus. Diese hatte auch 2009 schon besichtigt. Weiter ging es zum Civic Center. Gegenüber im Asian Art Museum wurde gerade die Xian Terrakotta Armee ausgestellt. Das hätte mich sehr interessiert, aber die riesige Schlange von Asiaten vor dem Museum schreckte mich ab. Ich blieb sitzen. Über Ashbury und the Haight ging es Richtung Alamo Square. Von dort aus kann man die Painted Ladies gut betrachten. Die Painted Ladies sind keine bemalten Frauen, wie man im ersten Moment denken mag, nein, so werden liebevoll die verschieden farbigen viktorianischen Häuser genannt, die sich dort aneinander reihen. Die meisten werdet ihr aus der Serie Full House kennen.

Der Busstop war zwei Blocks vom Alamo Square entfernt. Kurz war ich etwas verwirrt, in welche Richtung ich gehen sollte, aber ich habe zum Glück ein Fußgänger GPS im Smartphone. Das ist schon sehr praktisch. Auf dem Weg zum Alamo Square kam ich an einem kleineren Organic-Laden vorbei, der auch hauptsächlich regionale Produkte führte. Allein die Käsetheke lachte mich schon von weitem an. Alles sah so lecker aus. Dieses Geschäft hatte sogar richtiges Brot, also, so Brot, welches wir Europäer auch als welches bezeichnen.

Vorbei an prächtigen viktorianischen Häusern erreichte ich schließlich schnell den Alamo Square. Oh nein, es begann zu regnen. Das war ärgerlich. Ich war mit einer Regenjacke ausgestattet, Augen zu und durch. Stark regnete es nicht, aber es war doch unangenehm. Nach einem kurzem Anstieg im Park, welcher der Alamo Square ja eigentlich ist, zeigten sich die Painted Ladies auf der anderen Straßenseite. Ich fand sie toll und freute mich. Ich habe sie 2009 einfach so ausgelassen, aber sie sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Dahinter zeigte sich die Trans America Pyramid im Nieselwetter. Ein paar Fotos später ging ich wieder zurück, der Wind fing an und es machte keinen Spaß draußen herumzulaufen.

Der Bus war zwar auch unten offen, aber dort wurde man wenigstens nicht nass. Ach, da war ja noch was. Der Organic-Laden. Dort angekommen merkte ich mir erstmal, wie dieser hieß, Biritemarket. Die haben auch eine Internetseite: www.biritemarket.com. Die Käseauswahl war wie gesagt riesig und ich entschied mich für eine Sorte namens Holey Cow. Dazu regionale Weintrauben und selbstgemachte Guacomole, die lachte so herrlich grün aus dem Kühlfach. Naturtortilliachips und ein Lemon Cheesecake Cup fanden noch den Weg in meinen Einkaufskorb. Ich freute mich schon darauf die Sachen zu essen. Viele Einheimische kauften dort ein, das merkte man, da die Verkäufer bereits die Namen der Kunden wussten. Jedem der mal dort vorbei kommt empfehle ich in den kleinen Laden mal reinzugehen. Ich musste kurz auf den Bus warten.

Ein ganz anderer Bus winkte mich zu sich. Da ein Paar, welches zusammen mit mir ausstieg, auch in den anderen einstieg, folgte ich denen. Blöder Gruppenzwang. Der Fahrer stellte dann aber doch fest, dass wir die Falschen sind. Kurz dahinter kam aber dann schon der Richtige. Weiter ging es über The Haight zum Golden Gate Park. Da heute Memorial Day war, waren fast alle Durchfahrtsstraßen dort gesperrt. Schade. Im Bus wurde es jetzt auch unangenehm. Der Regen wurde heftiger. Ich zog meine Kapuze eng zusammen. Zum Glück saß ich nicht oben, ein paar Verrückte taten es. Der Bus bahnte sich den Weg durch den Golden Gate Park, auf den wenigen Straßen die nicht gesperrt waren.

Man hatte viel Zeit um sich alles anzusehen, denn in den Straßen staute sich alles. Viele Leute parkten am Seitenstreifen und blockierten alles. Feiertag eben. Die Wahl den Bus zu nehmen war die Richtige. An der California Academy of Sciences befand sich die nächste Haltestelle. Da ich durchgefroren war, stieg ich aus und kaufte mir ein Ticket für das “Museum”. Ich wusste nicht ganz was uns erwartete, viel mehr war mir wichtig, dass ich mich mal aufwärmen konnte. Am Ticketpreis von passablen $ 34,95 erahnte ich aber, dass diese Museum wohl mehr zu bieten haben musste. So war es auch. In der Eingangshalle begrüßte mich gleich ein volles Skelett eines T-Rex. Wow, der war ja riesig.

Dahinter konnte man Studenten zusehen, wie sie Skelette eines Wals mit Silikon zusammenfügten. Ich ging in die Ausstellung mit Tierexponaten. Um nicht traurig zu werden musste ich mir die ganze Zeit einreden, dass diese Tiere von selbst gestorben sind und nicht gejagt. So gute Exponate hatte ich noch nie gesehen. Giraffen, Antilopen, Jaguar, alles was die afrikanische Savanne so hergab. Dennoch schaue ich sie mir dann doch lieber lebend an. In der nächsten Abteilung ging es um die Evolution. Man konnte sich an einem riesigen Touchscreen die Evolutionskette ansehen. Vom kleinsten Einzeller an war es möglich alles aufzuschlüsseln. Mitten in dieser Academy ist eine große Glaskugel.

Dort befindet sich ein Regenwald. Keine Ahnung wie man sowas schafft. Die Wurzeln der Bäume stehen in Wasser und Erde, in den Untergeschossen der Academy. Dort wiederum gibt es Aquarien mit den Fischen des Regenwalds, die zwischen den Baumwurzeln schwimmen. Man kann sozusagen von oben bis ganz unten den Regenwald entdecken. Der einsame Albinoalligator tat mir ein bisschen leid, der da so vor sich hin döste. Am besten fand ich das Erdbebenhaus. Man konnte in einen Erdbebensimulator gehen und die beiden größten Erdbeben in San Francisco nachempfinden.

Das leichtere von 1989 und das schwere von 1906,bei dem die Stadt fünf Tage und Nächte lang brannte. Wow, wenn man sowas spürt, dann ist man froh in keinem Erdbebengebiet zu wohnen. Danach waren viele Bilder von den Schäden der damaligen Erdbeben ausgestellt. Ebenso Regeln zum Verhalten und ein ganzes Survival Kit. Witzig fand ich, dass es Computer gab, an denen man sich das Kit gleich bestellen konnte. Ich machte es aber nicht. Mir taten zwar schon mächtig die Beine weh, aber ich erkundete noch das riesige Aquarium im Kellergeschoss. Es gab alle Arten von Wassergetier was man sich vorstellen kann. Ich war schon in vielen Aquarien, aber hier habe ich Arten gesehen, von denen habe ich noch nie was gehört.

Es hat mir sehr gut gefallen. Die meisten Infotafeln sind hier übrigens keine Tafeln mehr, sondern an der Wand verankerte iPads. Ich hab bis 67 iPads gezählt, aber dann hab ich es aufgegeben. Ich glaube das ganze Museum besitzt bestimmt über 500 iPads. Meine Beine brannten und ich hatte Hunger. Der IHOP Besuch war doch schon 10 Stunden her. Mit etwas Glück erreichte ich noch den Bus, der gerade vorfuhr als ich das Museum verließ.

Das Wetter ist noch nicht besser geworden, daher wollte ich auch nicht an der Golden Gate aussteigen, die sich komplett wieder im Nebel befand. Auch nicht am Coit Tower. Der letzte Stopp war wieder Fisherman’s Wharf. Pier 39 war jetzt rappelvoll mit Menschen, was sag ich, nicht nur der Pier, sondern ganz Fisherman’s Wharf. Ich nahm sogar die parallele Straße zurück zum Hotel, da ich mir Gedränge nicht antun wollten.

Dort entdeckte ich noch einen coolen California Kapuzenpullover den ich mir natürlich kaufen musste. Im Zimmer angekommen packte ich meine leckeren Einkäufe vom Organic-Markt aus und aß zu Abend Mensch war das alles lecker. Ich aß alles auf, bis auf eine halbe Packung Tortilliachips, die konnte man noch für die nächsten Tage gebrauchen. Satt und zufrieden blickte ich durch mein Panoramafenster auf den Hafen. Das Wetter lud nicht mehr dazu ein rauszugehen. Also faulenzte ich wieder und ging dann um halb neun schlafen.

Übersicht Roadtrip - Naturwunder des Nordwestens

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