4. Tag - Redwood Nationalpark

Roadtrip – Naturwunder des nordwestens

Die letzte Nacht im Holiday Inn Fisherman’s Wharf habe ich wieder sehr gut geschlafen. Die Betten und Kissen waren klasse. Ich schaffte es an diesem Tag sogar bis kurz nach fünf. Gerne nutze ich immer die Gelegenheit, wenn man durch den Jetlag früh wach ist, auch sofort aufzubrechen .So packte ich schnell meine paar Sachen zusammen. Ich holte das Auto und diesmal machte ich es richtig und lud das Gepäck vorm Nebengebäude ein. Ich war schnell San Francisco entflohen. Über die Golden Gate Brücke, die an diesem Morgen wieder komplett im Nebel stand, erreichte ich kurze Zeit später Sausalitos.

Diese Stadt sah von oben wunderschön aus und wurde schon für den nächsten Besuch auf die Liste gesetzt. Ich hatte noch ein paar Kilometer vor mir. Je näher ich der Pazifikküste kam, desto mehr setzte wieder Nebel ein. Ich wollte eigentlich ein paar Leuchttürme und Steinformationen an der Pazifikküste anfahren, leider sah man gar nichts. Nach einer guten Stunde Fahrt hatte ich Hunger. Passend kam ein handgeschriebenes Schild “For excellent food, turn right!” Diesem Schild folgte ich, nämlich nach Bodega. Leider war das einzige so früh geöffnete Etablissement in dem es was zu essen gab “Colleens Café”.

Warum nicht? Ich ging in das kleine Hüttchen, in dem drei Männer und Colleen saßen. Im ersten Moment wollte ich schon wieder abhauen. Es fühlte sich eher an, als würde man in Colleen’s Trailer Küche stehen. Der Höflichkeit halber bestellte ich aber einen Ham & Egg Bagle. Colleen war sehr nett und weihte mich in ihre Kochkünste ein. Bagel auf den Toaster. Fertigeimasse in eine runde Plastikbox geben, mit fertigem Würfelschinken verrühren und in die Mikrowelle geben bis das Ei stockt. Dann fertig geriebenen Cheddar Käse darüber streuen und nochmal in die Mikrowelle geben. Danach das fertige Gemisch auf den getoasteten Bagel legen. Zusamenklappen. Ich war etwas skeptisch, freute mich aber ein paar Minuten später mein Frühstück an dem Ort einzunehmen, wo der Salmon Creek in den Pazifik fließt. Eine schöne Aussicht hatte ich, nämlich, gar keine.

Ein Mitarbeiter, der wohl für die Instandhaltung des Geländes zuständig war, fragte mich, ob ich denn schon Sonnencreme aufgetragen hätte. Könnte gefährlich werden. Humor haben sie ja die Amerikaner. Egal, Aussicht hin oder her, ich hatte Hunger. Den Fosters Kaffee habe ich heiß in meiner Thermokanne gebunkert. Die Bagels schmeckten einfach nur ekelhaft. Mein Motto ist ja immer: “Der Hunger treibt’s nei!” Tat er auch, ich aß den Bagel fast auf. Glaubt mir, er verfolgte mich auf negative Weise den ganzen Tag. Ich fuhr die Küste noch bis zum Goat Rock, dort machte ich nochmal Halt um den Nebel zu “bewundern”.

Es brachte leider alles nichts, also disponierte ich meine Grundidee um und folgte dem Willow Creek flussaufwärts ins Landesinnere. Ein paar Kilometer weiter riss schon die Wolkendecke auf und Sonne kam zum Vorschein. Was war das! Plötzlich lief etwas vor mir auf der Straße, ich bremste, hinter mir kam ein Truck angedüst, ich machte die Warnblinkanlage an. Jetzt erkannte ich es auch was es war, ein kleines Rehkitz sprang panisch von der linken zur rechten Spur. Endlich konnte es den sicheren Sprung in den Wald wagen. Der Truckfahrer sah mich zum Glück und bremste auch ab. Gott sei Dank ist das nochmal gut gegangen. Über kleine Dörfer und Wälder bahnte ich mir den Weg zum Highway 101.

Einen Zwischenstopp machte ich um zu Tanken und bei einem Postamt. Dieses Jahr wollte ich auch mal Postkarten schreiben. Ich bin ja mehr der Poster und Tweeter, aber warum mal nicht oldschool den Daheimgebliebenen eine Freude machen. Irgendwann erreichte ich nach der imposanten Überlandfahrt wieder den Redwood Highway. Nach vielen Kilometern gab es ein Schild für den Chandelier Tree, ein großer Redwood durch den man fahren kann. Ich fand es irgendwie komplett bescheuert durch einen Baum zu fahren, dennoch, wann hat man im Leben nochmal die Gelegenheit dazu? Ich fuhr also dorthin und zahlten $5 um durch einen Baum zu fahren. Richtig, UM DURCH EINEN BAUM ZU FAHREN.

Dieses Spektakel schien den Asiaten sehr zu gefallen. Die standen nämlich in Reih und Glied hinter dem Baum. Ich fuhr durch, nahm den rechten Außenspiegel mit. Das war’s auch. Jetzt bin ich auch mal durch einen Baum gefahren. “Und jetzt schnell weg hier.” Einige Zeit später fuhr ich hinab zum Südeingang der Avenue of the Giants. Ich hatte mir das Ganze etwas mehr “giant” vorgestellt. Ein paar Streckenabschnitte beinhalten natürlich jede Menge Redwoods, die sich mächtig in die Höhe stemmen, aber das Meiste ist eher normaler Wald. Ein paar Mal hielt ich bei den interessanten Stellen an und machte Fotos. Wieder kutschierte ich in nördliche Richtung. Das Wetter war gemischt. Mal blinzelte die Sonne, mal gab es Wolken. Geregnet hat es zum Glück nicht. Es gibt viele Wanderwege im südlichen Teil des Redwood National Parks.

Ich wollte in Prairie Creek den Trail durch den Fern Canyon gehen. Von Elk Meadows vorbei, wurde ich von einer überschwemmten Straße aufgehalten. Es war zwar eine Holzlatte vorhanden, auf der man aber nicht mehr viel erkennen konnte, wie tief nun das Wasser war. Es war zum Glück nicht mal 30 cm tief, also konnte ich beruhigt weiter fahren. Der Weg zum Fern Canyon führt über einen Waldweg zum Gold Bluff’s Beach, ein kleines Stück weiter ist dann Schluss mit dem Waldweg, und da ist der Trailhead für den Fern Canyon. Vorher musste ich noch zwei kleine Bachläufe, die direkt über den Weg plätscherten, überwinden.

Mit dem großen Rogue aber kein Problem. Toilettenhäuschen sind auch vorhanden, sehr schön. Genau am Anfang des Trails lag ein riesiger Elk auf dem Hügel und kaute gemütlich Gras im Schatten. Ich guckte ihm eine Weile zu und machte mich dann auf den Weg. Zwischen kleinen Flussläufen und umgefallenen Bäumen bahnte ich mir immer weiter den Weg in den Canyon. Er war gut besucht. Auch ein deutscher Fotograf war da, mit Stativ und motzte ziemlich mit seiner Frau rum. Ich weiß nicht was sie falsch gemacht hatte, aber diese Hektik bräuchte ich nicht an so einem Ort. Ich ließ die beiden schnell hinter mir.

Wunderschöne grüne Farne und Moose bedeckten die Wände des Canyons. Überall plätscherte Wasser von den Steinwänden, über das Grüne. Auch unter mir war Wasser, das ich immer wieder überwinden mussten. Es machte Spaß dort herum zu klettern, wie ein großer Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Die Sonne ging langsam tiefer und ich machte mich wieder auf den Rückweg. Dort kam ich mit weiteren Deutschen ins Gespräch, die aber bereits seit vielen Jahren in San Francisco wohnen. Sie waren ganz verwundert, woher ich von diesem Canyon wüsste. Internet, ganz einfach.

Kurz vorm Parkplatz erschreckte mich nochmal ein riesiger Elk, der ungestört sein Abendessen auf der Wiese zu sich nahm. Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße begegneten mir nochmal drei männliche und zwei weibliche dieser Tiere. Es ist beeindruckend, dass sie gar nicht schreckhaft sind.

Nun war es schon spät und für mich ging es weiter nach Crescent City, wo ich meine Übernachtung geplant hatte. Im Sonnenuntergang war jetzt auch die Sicht auf die steile Pazifikküste frei. Wunderschön ist dieser Anblick, ich konnte mich gar nicht satt sehen. Der tosende Pazifik, der seine Wellen wild gegen schroffe Klippen schlägt. Darüber lachs bis tiefrot farbene Wolken. In Crescent City wollt ich am kleinen Hafen im Chart Room Fish & Chips essen. Leider hatte dieses Restaurant dienstags geschlossen. Schade, es war hier nichts los, nur die Seelöwen machten wieder Lärm. Im ganzen Ort befinden sich große Schnitzereien aus Treibholz. Das hat mir sehr gut gefallen.

Es war schon halb neun abends, also ging ich auf Nummer sicher und aß bei Jack in the Box. Die meisten Restaurants schlossen nämlich hier um neun Uhr. Verstehe ich auch nicht. Es gab einen Sourdough Grilled Chicken für mich. Als es noch dämmerte beschloss ich spontan zum Battery Point Lighthouse zu fahren, ein Leuchtturm der auf einer kleinen Insel vor Crescent City steht und nur bei Ebbe ohne nass zu werden erreichbar ist. Mir war es dann zu frisch und ich stoppte noch beim nächsten Safeway um die Vorräte wieder aufzufüllen.

Gleich gegenüber vom Hafen befindet sich mein Hotel, die Curly Redwood Lodge. Angeblich gebaut aus einem einzigen Redwood. Ich kam zur Lobby und gab meine ausgedruckte E-Mail der Mitarbeiterin am Tresen. Ich habe die Reservierung direkt mit dem Besitzer per E-Mail vereinbart. Sie guckte mich an und meinte: “Do you want to move from Germany to the USA?” Ich guckte sie verwirrt an. Sie stellte mir weitere Fragen und meinte, dass sie das nicht entscheiden könnte. Ich entgegnete, dass sie ja hier arbeitet und ich jetzt nicht auf den Chef warten kann.

Nach ein paar Minuten lachte sie laut los. Ich glaube diese Frau war etwas verwirrt, denn sie dachte, diese E-Mail ist eine Bewerbung und ich wolle hier Probearbeiten. Sowas ist mir ja noch nie passiert. Ich sagte ihr, dass ich das gerne tun würde, wenn sie eine gute Stelle für mich hat. Jetzt gab sie mir endlich die Schlüssel. Ich konnte direkt am überdachten Parkplatz vorm Zimmer parken. Ich fand das Hotel sehr spartanisch aber außerordentlich sauber. Da es arg altmodisch aussah, versuchte ich extra irgendwas Schmutziges zu finden, aber das Zimmer und die Außenbereiche waren wie geleckt. Man kann hier getrost wohnen. Witzig fand ich das Nebelhorn das man konstant hörte, dazwischen immer noch das Gebell der Seelöwen. Das Bett war leider etwas klein, aber ich war müde und schlief schnell ein .

Übersicht Roadtrip - Naturwunder des Nordwestens

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Beginnend in New York, der Stadt die niemals schläft, geht es die Küste nach Norden, vorbei an schroffen Felsen, alten Häfen und natürlich vielen Leuchttürmen. Sportlich wird es im Fenway Park, dem ältesten Baseball Stadions der USA.

 

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