5. Tag - Redwoods und Wasserfälle

Roadtrip – Naturwunder des nordwestens

Dem Jetlag ging es immer besser, also begann ich später meinen Tag. Gegen acht Uhr tankte ich noch an der nächsten Chevron und bog dann rechts in ein paar Wohnsiedlungen in Crecent City ab. Mein Garmin Oregon zeigte mir den Weg zu einem befahrbaren Waldweg, der Howland Hill Road, die mich tief in den Märchenwald der Giganten, den Redwood Trees, hinein führte. Heute regnete es, aber es hätte nicht schöner sein können. Klar war es schade, dass man immer Wasserflecken auf der Linse hatte, aber die Atmosphäre war so mystisch, dass ich mich sofort in den Film Twilight hinein versetzt fühlte.

 Als ich immer tiefer in die geheimnisvolle Welt eintauchte kam ich mir ganz klein vor. Immer wieder hielt ich an und bewunderte die hunderte oder gar tausende Jahre alten Bäume. Über eine überdachte Brücke kam ich zurück zur Hauptstraße. Ich wollte noch in ein Visitor Center, aber leider hatte hier alles geschlossen. So kaufte ich schnell Postkarten an einer Tankstelle und setzte meinen Weg in Richtung Oregon fort. Im nördlichen Teil des Redwood Nationalparks gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten, denen ich mir vorher nie bewusst war.

Sollte ich nochmal hier her kommen werde ich auf jeden Fall in einem der kleinen Motels nächtigen. Einige Zeit später passierte ich die Staatsgrenze und ich war in Oregon. Die Klippen und Wälder wurden immer weniger und ich fand mich in einem Eldorado an tausenden Hektar großen Ranchbetrieben wieder. Links und rechts gab es so viele Kühe und Pferde auf riesigen grünen, mit kleinen Bächen durchzogenen, Feldern, dass man sie kaum zählen konnte. Ein Paradies für diese Tiere, auch wenn die Rinder wohl später auf den Tellern landen würden.

In Grants Pass landete leider auch ein kleines Teil davon auf meinem, denn ich machte eine kurze Mittagspause. Da ich schnell weiterfahren wollte ging es durch den Taco Bell Drive Thru, der mich mit Chalupa und Burritos bediente. Ich hatte eine neue Art von Burrito, in dem knusprige rote Nachos in Chilli und Käse verteilt waren. Schmeckte vorzüglich, obwohl es Fast Food ist. Ich folgte dem Rogue River flussaufwärts nach Norden.

Kurz vor dem Abzweig zum Crater Lake machte ich noch an der Rogue River Gorge Halt. Eine kleine Schlucht, die der Fluss in Millionen von Jahren in das Lavagestein gefräst hat. Das tiefgrüne Moos setzte sich deutlich an den schwarzen Lavasteinen ab, der Rogue River toste unter mir. Was für eine Kraft doch Wasser hatte. Auf dem Parkplatz erlebte ich etwas, was ich noch nie gesehen hatte. Es schien die Sonne und plötzlich fing es an zu regnen, ich ging ein paar Schritte vorwärts und es regnete nicht mehr. Hinter mir regnete es noch. Ich stand also genau zwischen der Regen- und Trockengrenze. Irgendwie kam ich mir vor wie in der Trumanshow, wo es in einer Szene nur auf Truman regnete und ein paar Sekunden dann erst in der gesamten Kulisse.

Nach einer Baustelle erreichte ich die Einfahrt zum Crater Lake Nationalpark. Ich hatte mich schon sehr auf den tiefblauen Kratersee gefreut. Er ist der tiefste See der USA und gehört zu den saubersten Seen auf der ganzen Welt. Der Ranger meinte, dass es da oben ziemlich neblig ist, aber es könnte die Sonne rauskommen. Mit bester Hoffnung trat ich den Weg bis zum Gipfel, natürlich mit dem SUV, an. Leider wurde es statt sonniger immer nebliger je höher ich kam. Das Thermometer war inzwischen von 18 Grad auf 2 Grad gefallen. Die Eiswarnung im Auto machte sich bemerkbar.

Als ich am Parkplatz oben endlich ankam sah ich: Nichts. Ich war enttäuscht, sollte das den ganzen Urlaub so weitergehen? Erst die Pazifikküste, jetzt der Crater Lake im Nebel. Ich habe auch gar kein Foto gemacht, denn man hat nicht mal das Ufer des Sees gesehen. Es begann extrem zu schneien und es war eisig kalt. Schnell verschwand ich ins Visitor Center und kauften dort im Gift Shop Karten und einen Magneten. Wenigsten habe ich eine Postkarte, so sehe ich wie es hätte aussehen können. Eigentlich hätte ich eine Postkarte in Richtung See halten können und dann fotografieren. Die besten Ideen hat man erst hinterher. Deshalb hier ein anderes Bild von einem schöneren Tag am Crater Lake.

Nun tuckerte ich wieder nach unten und sah freudig zu, wie das Thermometer wieder nach oben kletterte. Das Wetter besserte sich leider nicht. Es wurde windig, dann wieder sonnig, dann regnete es wieder. So ging es wirklich im Fünfminutentakt. Da der Rim Drive gesperrt war wusste ich schon vorher, dass ich den Crater Lake weiträumig umfahren musste. Das war gar nicht schlimm, denn dort befinden sich ein paar Wasserfälle. Unter anderem, die National Creek Falls. Mein Garmin leitete mich den Weg dorthin, denn ohne wäre ich wieder umgekehrt. Es sind fast gar keine Schilder da und die Straßen haben auch keine Namen mehr, sondern nur noch Nummern. Jede Waldstraße sah gleich aus.

Große Schlaglöcher umkurvte ich galant, auch den Rehen und Hirschen wich ich aus, die ruhig neben der Straße standen. Ihnen schien das Mistwetter nichts auszumachen. Am Trailhead angekommen stand da ein Auto auf dem Parkplatz. Puh, wenigstens ein Auto, denn ich fühlte mich etwas unwohl, hier mitten im Wald. Die Besitzer kamen aber gerade vom Hike zurück und schwärmten von den Wasserfällen. Na toll, allein in der Wildnis. Ich habe wohl zu viel Horrorfilme gesehen, denn das Schlimmste was eigentlich passieren könnte wäre eine unangenehme Tierbegegnung. Ich weiß bis heute noch nicht wie hoch die Bärenpopulation in diesem Gebiet ist .Ich will es eigentlich gar nicht wissen. Gut, ich hatte also Angst vor Bären und Serienkillern, während ich den serpetinenartig angelegten Wanderweg zu den Fällen hinunter flog. So in der Mitte kam mir der Gedanke, dass ich das alles ja wieder hochgehen muss.

Den verdrängte ich aber schnell. Innerhalb von fünf Minuten war ich auch in der Schlucht angekommen, da es wie gesagt nur bergab ging. Ich hörte die Wasserfälle schon von weitem und nun stand ich davor. Wie jetzt ? Da war ja ein kleiner Hügel und man konnte die Fälle nur halb sehen. Auf den Bildern sah das ganz anders es. Und es war definitiv klar: Bevor ich diesen Mörderhike zum Parkplatz zurück antrete, muss ich auf die andere Seite des Flusses. Das hätten die mir mal vorher sagen können. Es gab keine Brücke, ich war ja mitten im Nirgendwo. Nun regnete es wieder. Ich betrachtete zweifelnd die zwei großen Baumstämme die über den Fluss lagen. Sie sahen beide sehr rutschig aus und mit meinem schweren Rucksack hätte ich bestimmt nicht das Gleichgewicht halten können. Meine wasserdichte kleine Tasche hatte ich nicht mitgenommen, konnte ja keiner ahnen.

Bevor die Technik aus Versehen ins Wasser fliegt, geh ich lieber ins Wasser. Ich begutachtete den Fluss. Nur in der Mitte war es etwas tiefer, die beiden Uferstreifen waren breit und seicht. Augen zu und durch, oder? Ich krempelte meine Hose hoch und stieg in das Wasser. Die Kälte durchzog meine Waden erst, als ich bereits über die Hälfte gegangen war. Die Strömung war okay und ich war in 15 Sekunden am anderen Ufer. In der Mitte war es etwas tiefer als gedacht, so waren nicht nur meine Schuhe nass, sondern auch der untere Teil meiner Hose. Igitt, nasse Kleidung mag ich ja nicht mal im Sommer. Ich blickte nach links und der Anblick der Wasserfälle ließ die Kälte und meine nasse Kleidung vergessen. In mehreren Bahnen stürzten sie mitten im Wald hinab. Überall lagen kleine und große Baumstämme, die der Fluss auf seinem Weg mitgerissen hatte.

Hier sammelte sich alles, am Fuße der National Creek Falls. Nach kurzer Zeit fiel mir wieder ein, dass ich ja Angst hatten wilden Tieren zu begegnen. Es war immer noch keine Menschenseele vor Ort. Ich fühlte mich trotzdem beobachtet. Ein sehr grusliges Gefühl. Den Rückweg ging ich teils über den Baumstamm, aber dann an der rutschigen Stelle gleich wieder durch das Wasser. Jetzt war es auch schon egal. Ich blickte mich immer wieder um, als ich die ersten Serpentinen hochging und plötzlich raschelten Blätter und man hörte Holz knacken. Jetzt erblickte ich das wilde Ungetüm, das ein paar Meter vor mir aus dem Unterholz sprang. Ich zuckte zusammen und sah nun das Tier in seiner vollen Größe. Ein Reh. Und zwar ein ziemlich kleines Reh. Ich lachte noch bis ich oben war, was den Anstieg nicht gerade erleichterte.

Zurück auf dem Trailhead zog ich mir eine neue Hose und Socken an. Die Wanderschuhe warf ich hinten in eine Tüte. Was für eine Wohltat, trockene Socken und Schuhe. Eigentlich standen noch die Watson Falls und die Tokotee Falls auf meiner Wunschliste. Die hätten auch eigentlich keinen so großen Aufwand erfordert um sie zu Bewundern. Es war aber schon spät und durch das Regenwetter war es auch schon dunkler als sonst um diese Uhrzeit. Ich entschied also uns noch was für andere Reisen aufzuheben und die Fälle eben Fälle sein zu lassen. Es waren ja nicht die Letzten die ich auf dieser Reise sehen sollte. Der Weg nach Bend war erfüllt von Sonne, Regen, Sonne, Regen, und so weiter. Das Schauspiel hatte an einer Stelle einen Regenbogen zur Folge, der sich wunderschön zwischen den Wäldern erstreckte.

Als ich den Highway 375 erreichte dämmerte es schon leicht. Überall waren Wildwechselwarnschilder und ich passte explizit auf, dass kein Reh die seitlichen Wälder verließ. Ich sah bestimmt über zwanzig Rehe am Straßenrand. Eins ging sogar zur Straße, blieb stehen, guckte, ließ einen Truck passieren und überquerte die Fahrbahn noch schnell bevor ich ankam. Es gibt wohl auch schlaue Rehe. Groß sind diese Deer sag ich Euch, ich muss das mal nachlesen, warum diese Rassen im Gegensatz zu unserem Wild so riesig sind. Allein die normalen Rehe sind ja schon so groß wie unsere Hirsche. Nach zwei Stunden Fahrt kam ich in Bend an. Ein schönes Städtchen am Deschutes River, es gefiel mir von Anfang an. Der Blick auf die Kaskadenkette blieb mir zwar verwehrt, aber morgen ist ja auch noch ein Tag, und dieser versprach wunderschönes Wetter.

Hoffentlich kann ich dann auch einen Blick auf den Mount Bachelor erhaschen. Ich hatte Hunger. Das Mittagessen habe ich ja heute ausfallen lassen. Zwischendurch ernährte ich mich von Müsliriegeln und Teriyaki Tender Bites, die ich dann zu Hause nicht mehr sehen konnte. Es war schon gegen neun und ich natürlich zu müde um noch in ein Restaurant zu gehen. Und zu schmutzig. Ich fragte das Navi, es gab die üblichen Verdächtigen, auf die ich irgendwie keine Lust hatte. Sonic kannte ich noch nicht. Okay, fahr ich zu Sonic. Das hatte ich noch nie gesehen. Es gab einen Drive Thru, aber auch einen Drive In. Drin konnte man gar nicht essen. Das war für heute genau das Richtige, ein Drive In. Ich suchten mir einen “Stall”, so werden die Parkplätze mit den großen Speisekarten daneben genannt, und begutachtete die Speisekarte. Man musste einen roten Knopf  drücken, dann ging es auch schon los. Bezahlt wurde mit Kreditkarte. Einige Zeit später, es war gut besucht hier, kam die Kellnerin auf Rollschuhen und brachte das Essen. Danach bleibt man hier in dem Stall bis man fertig gegessen hat. Witzige Sache.

Also nochmal zum Verständnis. Ein Drive IN ist da wo man im Auto sitzt, bestellt, und dort isst wo man bestellt hat ohne das Auto zu verlassen. Ein Drive Thru ist das, was wir in Deutschland unter Drive IN verstehen, aber man fährt da nur durch und isst sein Essen auf der Fahrt oder zu Hause, aber nicht am Restaurant. Sonic Burger sind echt lecker, und haben es auf Platz 2 meiner beliebtesten Burger geschafft. Gleich in der Nähe war mein Hotel, das Shilo Inn Bend. Sehr schnuckelig sah es aus, ganz in Holz gehalten. Das Hotel besitzt mehrere Buildings und eine große Indoor Pool und Spa Area. Ich war heute sogar zu müde für den Whirlpool. Daher wurden meine nassen Schuhe noch ausgestopft und auf das Fensterbrett gestellt. Nach einer heißen Dusche trank ich noch gemütlich ein Coors und dann schlief ich glücklich ein.

Übersicht Roadtrip - Naturwunder des Nordwestens

Reiseübersicht
1. Tag - Flug nach San Francisco​
2. Tag - San Francisco​
3. Tag - San Francisco​
4. Tag - Redwood Nationalpark​
5. Tag - Redwoods und Wasserfälle​
6. Tag - Smith Rock State Park​
7. Tag - Columbia River Gorge​
8. Tag - Olympic Nationalpark​
9. Tag - Olympic Nationalpark​
10. Tag - Seattle​
11. Tag - San Juan Islands​
12. Tag - Fahrt zum Yellowstone​
13. Tag - Yellowstone NP Nord​
14. Tag - Yellowstone NP Süd​
15. Tag - Yellowstone NP​
16. Tag - Grand Teton​
17. Tag - Kanarra Creek & Cedar Break NM​
18. Tag - Las Vegas​
19. Tag - Las Vegas Neon Museum​
20. Tag - Las Vegas​
21. Tag - Heimflug​

Folge uns online

Erfahre als erstes Updates und Neuigkeiten über uns.

Beginnend in New York, der Stadt die niemals schläft, geht es die Küste nach Norden, vorbei an schroffen Felsen, alten Häfen und natürlich vielen Leuchttürmen. Sportlich wird es im Fenway Park, dem ältesten Baseball Stadions der USA.

 

Begleitet uns auf eine ideale Ersttäter Tour. Die Rundreise Highlights des Westens bietet alles was das Rookie-Herz begehrt. Wir starten in Los Angeles in den Südwesten. Viele Nationalparks und Städte besuchen wir auf unserer Tour.

 

Kommt mit uns auf einen 25 tägigen Roadtrip von Seattle bis Las Vegas. Jede Menge Natur Schauspiele der Extraklasse haben uns erwartet.