7. Tag - Columbia River Gorge

Roadtrip – Naturwunder des nordwestens

Obwohl das Holiday Inn Zimmer von Priceline recht klein war, hatte es doch ein sehr bequemes Bett, welches mir in der Nacht einen guten Schlaf bescherte. Nach der anstrengenden Wanderung von gestern wollte ich heute nicht so früh aufstehen. Ich hatte für den heutigen Tag ja hauptsächlich die Wasserfälle der Columbia River Gorge geplant.

Vorerst möchte ich aber eins vorne weg vermerken. Ich kenne viele USA Reisende, die sich über den amerikanischen Kaffee beschweren. Ich sage denen, je nördlicher man in Richtung Seattle kommt, desto besser wird der Kaffee. Nicht umsonst entstand in Seattle die weltweit erfolgreichste Cafékette Starbucks. Ich hatte zwar meine eigene Kaffeemaschine, aber im Hotel gab es Seattle’s Best Coffee und den wollte ich testen. Ich sage euch, klasse. Im Allgemeinen fällt mir auch auf, dass sich die Kaffeekultur in den USA schön langsam dem europäischen Gaumen anpasst. Ich denke, das kämpft sich von der obersten Gesellschaft momentan in den Mittelstand, bis der ganze Rest dann mit leckerem Kaffee und dem Grundgedanken “Qualität statt Quantität” konform ist.

Mein Plan war erst die komplette Columbia River Gorge bis hinter den Bonneville Dam auf der Interstate zu fahren, und dann auf dem Historic Columbia River Highway zurück, so dass ich am späten Nachmittag am Vista House ankommen würde. So kam es auch und ich nahm nach dem Tunnel die nächste Ausfahrt Nummer 41, Fish Hatchery / Eagle Creek. Danach bog ich rechts ab und fuhr bis zum Eagle Creek Trailhead. Die Straße geht dann nicht mehr weiter. Wichtig zu wissen ist, dass man die Exit 41 nur aus Richtung Portland kommend abfahren kann. An der Selfpay Station musste ich ein Ticket kaufen, das für das Parken an der kompletten Columbia River Gorge bzw. an den Trailheads für einen Tag gültig ist. Der Recreation Fee Pass kostete fünf Dollar.

Gott sei Dank gab es da ein fest stehendes Toilettenhäuschen, denn der Kaffee meldete sich bei mir schon wieder. Kurze Zeit später folgte ich dem Eagle Creek flussaufwärts durch dichte moosbewachsene Wälder. Es war angenehm warm und die Sonne blinzelte durch die Bäume. Der Fluss rauschte rechts mir und gab dem Geschehen zusätzlich eine tolle Atmosphäre. Der Weg führte weiter in einen Canyon hinein und stieg ständig, aber nicht steil, an. Irgendwann gelangte ich an eine steile Felswand, in die der Trail richtig eingeschlagen war. Zur Sicherheit konnte man sich an Stahlseilen, die im Felsen angebracht waren festhalten. Es war wunderschön, denn von oben nieselte Wasser herunter. Die Sonnenstrahlen brachen sich darin. Alles plätscherte und schimmerte. Links von mir, eine riesige Felswand aus Lavastein und rechts ging fünfzig Meter tief zum Eagle Creek hinab. Man sollte keine Höhenangst mitbringen. Immer wieder durchquerte ich kleine Bachläufe, die sich aus den kleineren Wasserfällen bildeten, die von der Canyonwand hinunter tollten.

Nach einiger Zeit erreichte ich schon die ersten Fälle. Die Metlako Falls. Leider war der View Point ein bisschen nach hinten versetzt, so konnte ich sie nur zwischen den Bäumen erhaschen. Eine Wandergruppe, die aus netten älteren Herren bestand, war auf mich aufmerksam geworden. Sie fragten mich wo ich denn herkäme. Die Standardfrage. Interessant war, dass einer davon mal bei Siemens in Deutschland gearbeitet hatte. Die Gruppe war sehr nett und ichunterhielt mich einige Zeit mit ihnen. Keine Müdigkeit vortäuschen, es ging noch weiter zu den Punchbowl Falls. Nach einiger Zeit erreichte ich den Abzweig zu den Lower Punchbowl Falls. Ein steiger Weg ging hinab, und vor mir befand sich danach der, an dieser Stelle, sehr breite Eagle Creek, der sich tosend über einen kleinen Abgrund stürzte. Er war nicht tief, aber die Strömung heftig. Rechts war eine glatt abfallende mit Moos bedeckte Lavasteinwand, links befand sich eine Art Strand aus Kies.

Dort traf ich auch wieder die netten Herren, die mir anboten mit ihnen zu picknicken. Beschämt schlug ich das Angebot aus, aber sie bestanden wenigstens darauf, dass ich Chips und Mandarinen probierte. Wieder eine positive Erfahrung mit den amerikanischen Bürgern. Ich kämpfte mich den steilen Weg wieder nach oben und ging weiter zu den Punchbowl Falls. Am Viewpoint konnte ich nichts erkennen, ich war total enttäuscht, man sah nur den halben Pool. Da viele verrückte Besucher als Mutprobe in den Pool der Punchbowl Falls springen, war eine Absperrung angebracht. Ich ging ein bisschen hinter die Absperrung und kletterte vorsichtig nach unten auf eine weitere Plattform. Ich traute mich nicht nah an den Abgrund, aber von da sah man die Fälle auch schon sehr gut.

Drei Tage später kam in den Nachrichten, dass ein Jugendlicher bei einem Sprung in die Punchbowl Falls ums Leben kam. Seine Leiche wurde mitgerissen und noch nicht gefunden worden. Ich frage mich, wie lebensmüde man sein muss um in diesen reißenden Pool zu springen. Es gibt noch andere Fälle auf dieser Strecke, die waren mir aber dann doch zu weit. Ich machte kehrt und ging zurück zum Parkplatz. Das Ganze waren ca. 8 km insgesamt. Falls sich wer fragen sollte, ob es nicht langweilig ist, den Weg wieder zurückzugehen, dem kann ich sagen: Nein, ist es nicht, denn die Landschaft sieht von der anderen Seite wieder anders aus. Ich entdeckte abermals ganz andere Dinge. Am Parkplatz angekommen machten ich erst mal Picknick am Kofferraum. Mein Klassiker, Weintrauben und Käse. Toast konnte ich irgendwie keinen mehr sehen.

Jetzt ging es weiter, auf diese Wanderung hatte ich mich schon besonders gefreut. Ich gondelte die Interstate zurück bis zur Ausfahrt Bonneville Dam, fuhr links unter der Interstate durch und dann rechts. Dort erreicht man den Trailhead der Whaclella Falls. Es war ja schon bei den Punchbowl Falls nicht sehr viel los, aber auf diesem Weg traf ich noch weniger Menschen. Wer also auf touristenfreie Wanderungen steht, der ist hier richtig. Ich hatte nur ein Foto von den Whaclella Falls in einem Buch gesehen, aber dieses Foto hatte mich nicht mehr losgelassen. Also wanderte ich den idyllischen Weg, am Tanner Creek wieder in einen anderen Canyon hinein. Links befanden sich auch erneut immer wieder kleine Wasserfälle. Nach einiger Zeit kam ich an eine Brücke, die rechts über den Fluss führte. Man konnte aber auch gerade gehen.

Ich beschloss Letzteres. Einen steilen Aufstieg später hörte ich schon die Whaclella Fälle tosen. Als ich zwischen ein paar Bäumen heraustrat befand ich mich in einem atemberaubenden Tal. Um mich herum waren noch steilere Felswände, alle grasgrün mit Moos bewachsen. Überall plätscherte und rauschte das Wasser herunter. Es war unbeschreiblich. Die Whaclella Falls kommen auf den Fotos überhaupt nicht so rüber wie sie in Wirklichkeit sind. Jeder der in dieser Ecke ist, sollte dort hin. Das Wasser schießt ganz oben gewaltig über einen Abhang, bevor es dann breit und mit enormer Kraft in den petrolblauen Pool fällt. Darüber war noch ein Wasserfall der von links kam. Ich war schon zweimal bei den Niagarafällen, klar sind die toll, aber mich hat noch nie ein Wasserfall mehr fasziniert als die Whaclella Falls. Allein die ganze Landschaft drum herum, es ist einfach wie aus einem Traum. Ich wollte von diesem Ort einfach nicht mehr weg. Es war so wunderschön. Man konnte sich nicht satt sehen.

Die Bilder spiegeln es nicht wieder, ich kann es nur immer wieder sagen. Die Sonne war inzwischen hinter den Canyonwänden verschwunden und es wurde mir im Schatten zu kalt. Nur deshalb beschloss ich zurück zu gehen. Es führte wieder eine Brücke über den Fluss. Ichkam dann noch einmal bei der Brücke vorbei, wo ich vorher geradeaus gegangen war. Der Weg besteht also halb aus einem Loop, und den Rest der Strecke muss man wieder zurückgehen. Seit heute Morgen bin ich 12 km gegangen und war dementsprechend kaputt am Auto. Ich hatte aber natürlich noch weitere Wasserfälle auf dem Plan, diese sind aber besser zu erreichen. Die Elowah Falls, sparte ich mir. Als nächstes kamen die Horsetail Falls, die sich direkt am Straßenrand in den schmalen Pool stürzten. Dahinter befindet sich gleich die Oneonta Gorge.

Man kann ab den Horsetailfalls eine Wanderung starten, und kommt dann beim Parkplatz der Oneonta Gorge wieder zurück. Es sind dann nur noch ein paar Meter an der Straße zurück zum Parkplatz. Das habe ich aber nicht mehr gemacht, denn für heute bin ich genug gewandert. Dessen ungeachtet kamen danach die höchsten und bekanntesten Fälle der Columbia River Gorge, die Multnomah Falls. Diese finden sich auch im ersten Teil der Twilight Filme wieder, nämlich werden sie kurz vorm Baseballspiel eingeblendet. Die Szene wurde auf der Washington Seite des Columbia Rivers gedreht, und man sieht die Multnomah Falls im Hintergrund. Die Fälle erblickt man auch schon vom Parkplatz aus und man muss nur ein paar Treppen steigen. Es war voller Touristen, was mir den Spaß ein bisschen verdarb. Ich hatte nach den Hikes auch keine Lust mehr auf die Brücke zu gehen.

Trotz der Touristen sind die Fälle schon klasse, wie sie in zwei Stufen in die Tiefe stürzen. Ich blieb nur kurz, mir knurrte nämlich der Magen. Überall roch es dort nach Essen. Der darauffolgende Stopp war bei den Latourell Falls, die Bridal Veil Falls und Shepards Dell sparte ich mir. Die Latourell Falls fotografierte ich vom Parkplatz aus, denn vor den Fällen hat man keine Chance sie gesamt auf das Bild zu bannen. Und nein, das ist keine Ausrede. Jetzt war erst mal mit Wasserfällen Schluss. Ich folgte dem Historic Highway bergauf, bis ich das Vista House erreichte.

Das Vista House ist ein historisches Rathaus und bildet den Mittelpunkt des Crown Points. Man hat eine wunderschöne Aussicht von hier aus auf das Flusstal. Mir gefiel aber die Aussicht vom Rooster Point noch besser. Denn von da konnte man auch den Crown Point sehen. Es war bestes Wetter, schöner hätte der Abschluss meiner Columbia River Gorge Tour nicht sein können. Zurück in Portland füllte ich meine Lebensmittel noch auf. Als letztes Highlight zeigte sich der Mt. Hood noch, komplett orange angestrahlt. Er war so klar zu sehen, als könnte man einfach mal auf die Schnelle hinfahren.

Ich wollte eigentlich die Skyline von Portland mit dem Mt. Hood im Hintergrund vom Washington Park aus fotografieren. Es wäre perfekt gewesen. Aber: HUNGER. Also verließ ich Portland, und mit dieser wunderschönen Stadt auch den Staat Oregon. Gerade mal fünf Minuten in Washington hielt ich aber auch schon beim nächsten Sonic an. Dieses Drive In Restaurant hatte mich in Bend begeistert, und die Burger sind für einen Bärenhunger genau richtig. Nach dem Abendessen im Auto machte ich mich auf den Weg nach Olympia. Dort befand sich mein Hotel für heute.

Das Phoenix Inn & Suites. Nach so einem Tag ist die Autofahrt anstrengend gewesen, obwohl es nicht mal zwei Stunden waren. Diese zogen sich aber wie Kaugummi. Das Hotel liegt direkt am Hafen und man kann sogar die Kuppel des Kapitols sehen. Olympia ist nämlich die Hauptstadt von Washington (Staat). Genau wie Portland besitzt Olympia tolle alte Gebäude mit Fassaden im alten Industriestil. Darin befinden sich stylische Bars, Restaurants und Geschäfte. Es war ein warmer Freitagabend und die Menschen saßen draußen vor den Bars und feierten ins Wochenende. Eine friedliche Stimmung lag über dieser Stadt. Ich wollte nicht mehr feiern, sondern nur noch ins Bett. Das Phoenix Hotel entpuppte sich als eines der besten. Das Zimmer war riesig, ebenso das Bett. Zudem ist Frühstück dabei. Sehr empfehlenswert. Vollkommen müde schlief ich schnell ein.

Übersicht Roadtrip - Naturwunder des Nordwestens

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Beginnend in New York, der Stadt die niemals schläft, geht es die Küste nach Norden, vorbei an schroffen Felsen, alten Häfen und natürlich vielen Leuchttürmen. Sportlich wird es im Fenway Park, dem ältesten Baseball Stadions der USA.

 

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