4. Tag - Bryce Canyon - Moki Hill - Capitol Reef

Roadtrip – SÜDWESTEN INTENSIV

Ich schaute zweimal auf die roten digitalen Zahlen neben mir: „3:00“. Das darf doch nicht wahr sein. Trotz der nur noch 8 Stunden Zeitverschiebung war ich hellwach. Warum das denn, hatte ich nicht am gestrigen Tag ohne Probleme bis um halb acht geschlafen. Wenn man Zitronen bekommt, muss man eben Limonade draus machen. Ich beschloss kurzer Hand den Sonnenaufgang am Bryce Canyon zu fotografieren und machte mich auf den Weg zum Sunset Point. Moment mal, Sunset? Ja genau, richtig, ich hatte gelesen, dass sich dieser Punkt wohl auch sehr gut eignet um den Sonnenaufgang zu erleben. Ich glaub es steht in den Büchern von Laurent Martres, aber ich möchte jetzt nichts Falsches erzählen.

Mit Kaffee bewaffnet parkte ich am Aufgang zum Sunset Point. Keine Menschenseele war natürlich da, denn ich war auch eine Stunde zu früh. Zu sehen gab es trotzdem etwas, nämlich ein Sternenmeer. Der Sternenhimmel war wunderschön. Trotz der kalten Temperaturen kurz über null stieg ich aus und betrachtete voller Ehrfurcht den Nachthimmel. Plötzlich hörte ich Schritte. Ich blickte mich um, sah aber kein Auto im schwachen Mondlicht. Ich könnte schwören hier ist gerade jemand vorbei gegangen. Mir war das etwas zu gruslig und ich setzte mich zurück ins Auto. Leider verwechselte ich den Knopf zum Aufschließen mit dem zum Zusperren und das Hupen des Explorers war gefühlt  noch meilenweit zu hören. Mensch, wie peinlich. Ich schaltete das Licht ein und fuhr nochmal eine Runde über den Parkplatz. Tatsache, da ging ca. hundert Meter weiter ein Mann, seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Gruslig, aber da er nicht in meine Richtung ging, fuhr ich zurück, packte meine Sachen und gingen hoch zum Rim. Inzwischen sah man schon am Horizont die Sonne die dunkle Nacht bekämpfen.

Kurze Zeit später kam ein asiatisches Pärchen und gesellte sich zu mir. Sie fragten uns ob das hier der Sunrise Point ist, und ich sagte, nein, der Sunset Point. Er lachte, er dachte wohl ich verarsche ihn. Dass es an der Tafel groß stand hat er wohl nicht gesehen. Der Asiate sprach lauthals mit seiner Frau, entweder ist sie schwerhörig, oder das bei denen so üblich. Ich werde es nicht verstehen. Kurz bevor der eigentliche Sonnenaufgang startete, gesellte sich noch ein älteres amerikanisches Hobbyfotografenpärchen dazu. Mehr Leute waren wir nicht. Ich wunderte mich, dass es hier so leer war, allerdings blickte ich ein paar hundert Meter das Rim hinauf. –„Oh mein Gott, das muss wohl der Sunrise Point sein“ Massen drängelten sich an das Gitter, verwunderlich dass der Aussichtspunkt samt Felsvorsprung nicht herunter brach. Die Sonne blinzelte nun über den Horizont, alle Leute waren vergessen. Ich drückte einfach nur die Fernbedienung der Kamera und genoss ohne durch den Sucher zu schauen dieses einmalige Spektakel.

Nach und nach wurden die Hoodoos allesamt angestrahlt und leuchteten in satten Orangetönen um die Wette. Leute, steht früh auf und guckt Euch den Sonnenaufgang an, denn mit Worten kann ich es einfach nicht zum Ausdruck bringen. Nachdem die Sonne bereits höher am Himmel stand, merkte ich, dass inzwischen jede Menge Besucher auf dem Viewpoint standen. Zeit für mich, sich vom Acker zu machen. Ich fuhr zurück zum Hotel und frühstückte erstmal auf dem Zimmer mit Lakeview. Entweder hatte ich vorher zu viel vom kolumbianischen Kaffee getrunken oder mir bekam der Jetlag in Kombination mit dem ungewohnten Essen nicht. Ich bekam extreme Bauchkrämpfe. Eigentlich war die fast 10 km lange Wanderung zu den Lower Calf Creek Falls geplant, aber die traute ich mir in diesem Zustand nicht zu.

Ich überlegte kurz und tippte ins Navi die Koordinaten zum Trailhead für den Moki Hill ein. Die Fahrt dahin sollte eine gute Stunde dauern und ich hoffte, dass es mir bis dahin etwas besser ergehen sollte. Irgendwann bog ich an einem Cattle Guard in die ungeteerte Straße Old Sheffield Road ab und nach einigen Kurven, die oftmals tolle Ausblicke bot, fuhr ich in die Spencer Flat. Ich parkte das Auto neben einem Felsen. Die Bauchschmerzen waren etwas besser und mein Kreislauf hatte sich glücklicherweise auch wieder etwas stabilisiert und ich traute mir die kurze Wanderung zu. Erst folgte ich der Jeepspur um dann aber über sandigen Boden und durch viele Büsche direkt auf die Zielkoordinaten für den „Moki Hill“ zuzugehen. Ich hatte etwas Bedenken zwecke Schlangen und anderem Getier, welches sich unter den Büschen verstecken könnte.  Über mehrere kleine Hügel hinweg, ging ich circa eine halbe Stunde durch offenes Feld, bis ich die steinerne Fläche auf denen sich die Moqui Marbles befinden erreichten.

Die Temperaturen hielten sich zwischen 22 und 24 Grad auf, dennoch hatte die Sonne eine enorme Kraft. Ein angenehmes Lüftchen kühlte mich aber immer wieder ab. Der „Moki Hill“ ist eine erfundene Bezeichnung unter deutschen Reisenden, offiziell gibt es den Namen nicht. Auf diesem Gelände kann man auf jeden Fall die berühmten Moqui Marbles finden. Diese muss man sich als billardkugelgroße dunkel-rost-braune Steine vorstellen, die eine Außenhülle haben und innen mit hellem harten Sand gefüllt sind. Sie wurden nach den Moqui-Indianern benannt, die diese runden Steine bereits damals schon als Wurfgeschosse benutzt haben. Ebenso dienten sie gerieben als Farbe für rituelle Bemalungen. Die rostbraune Farbe zeugt von den oxidischen Eisenverbindungen aus denen die Moqui Marbles hautpsächlich außen bestehen. Es gibt in der indianischen Geschichte viele Erklärungen wie diese putzigen Murmeln (eng. Marbles) entanden sind, dennoch ist  es wissenschaftlich betrachtet nur eine Verwitterungsfreilegung von härteren Gesteinsbestandteilen. Beim Anblick der Moqui Marbles macht es aber trotzdem mehr Spaß an die indianischen Mythologien zu glauben, sehen sie doch wirklich etwas „übernatürlich“ aus. Ich ging einige Zeit auf dem kleinen Plateau herum und machte Fotos und spielte etwas herum.

In diesem Moment fiel mir auch die extreme Stille auf. Da man im normalen Leben doch ständig von irgendwelchen Geräuschen umgeben ist, reagiert der Körper wohl ein klein wenig mit einer Abwehrhaltung bei kompletter Stille. Zumindest ging es mir so, es war mir quasi etwas unangenehm, so rein gar nichts zu hören. Hin und wieder hörte man sogar den ganz leichten Wind, so leise war es. Zu gern hätte ich einen Moqui Marple mitgenommen, dennoch hielt ich es erstens für unangebracht und zweitens ist es sowieso verboten, da sich das Gebiet in einem National Monument befindet. Kurz vor dem Auto wurde ich noch in Versuchung geführt, denn es lag ein Marble direkt auf dem Weg, aber nein, ich blieb eisern. Auf dem Rückweg hielt ich noch an einem größeren Hügel an der Old Sheffield Road, der mich ganz leicht an die White Domes erinnerte. Ein paar hundert Meter weiter, hatte man auf der rechten Seite einen tollen Blick in das Tal. Ein einsames Wohnmobil stand direkt am Canyonrand. Als ich hinunter schauen wollte kamen mir gleich zwei freudige Hunde entgegen und beschnupperten mich interessiert. „They love people!“ rief mir die Besitzerin des Wohnmobils entgegen. Okay, ich hoffe sie haben sie nicht zum Fressen gern.

Die kurze Wanderung hatte meinem Gesundheitszustand gut getan und ich hatte fast keine Beschwerden mehr. Für die Wanderung zu den Lower Calf Creek Falls war es leider trotzdem schon zu spät. Somit entschied ich mich auf der Strecke nach Hanksville nach einigen interessanten Spots einfach Ausschau zu halten. Diese boten sich auf der Route 12 zu genüge. Ebenfalls bereicherte das gefärbte Laub der Birken und Pappeln die Umgebung. Was ich nicht vermutet hätte ist, dass die Route 12 auch durch höhere Lagen führt. Landschaften die ich nur in Colorado erwartet hätte boten sich mir zeitweise dar.

Ich bog auf die Route 24 und passierte den Capitol Reef Nationalpark. Jetzt begannen wieder die riesigen Wände aus roten Steinen, soweit das Auge reichte. Einen kurzen Stopp legte ich am Goosenecks Overlook ein, viel sah man allerdings nicht. Dennoch ist die Tiefe und Schroffheit der von Flüssen ins Gestein gefrästen Canyons schon beeindruckend. Der nächste Stopp war das Visitor Center in dem zum ersten Mal ein paar Pins für meinen Rucksack in die Einkaufstüte sprangen. Sozusagen „Best of the West“-Pins. Ich begab mich auf den Scenic Byway der durch die Stadt Fruita führt. Fruita ist eine Geisterstadt, die eigentlich überhaupt nicht wie eine aussieht. Um 1880 wurde die Stadt von Mormonen unter dem Namen Junction gegründet und 1902 in Fruita umbenannt.

In den Sechziger Jahren wurde die Siedlung aufgegeben. Der Ort ist vor allem für die Obstplantagen berühmt, welche jetzt von der Parkverwaltung gepflegt werden. Ebenso findet man überall pseudo-historische Gebäude. Ich nenne es Pseudo, weil das alles für einen Europäer gar nicht historisch ist. Falls es jemanden doch interessiert, der hält immer Ausschau nach so genannten „Historic Markern“, der u.a. vor dem alten Schulhaus steht. Ich hielt am Parkplatz der äußerst fotogenen Gifford-Scheune und stromerte ein bisschen in der Gegend herum. Auch hier hatten sich die Blätter der Bäume wunderbar und kräftig gefärbt. Das Gelb bot einen tollen Kontrast zu den roten Felsen. Hinter einem Haus entdeckte ich ein Reh, welches sich beim Äsen überhaupt nicht von mir stören ließ. Obwohl kein Obst, welches man kostenlos pflücken darf, da war und ich auch nicht interessiert an frischen Obstkuchen war, blieb ich ziemlich lange auf dem Gelände. Die Sonne stand schon tiefer und verstärkte die schönen Schattierungen die sich um mich herum befanden.

Irgendwann musste ich auch diesen schönen Ort verlassen und machte mich auf den Weg nach Hanksville. Ich hatte laut Empfehlung meines Freundes Thilo das Whispering Sands Hotel gebucht. Der Dame an der Rezeption erzählte ich das natürlich und sie war komplett begeistert. Sie kriegte sich gar nicht mehr ein, dass wir in Deutschland über dieses Hotel sprechen. Der Empfang war also sehr nett. Leider bekam ich ein Zimmer im Haupthaus in der oberen Etage, somit hatte ich so ein paar Sachen zu schleppen. Als ich das Zimmer betrat, fand ich es sehr ansprechend, da können sich manche Kettenhotels eine Scheibe von abschneiden. Beim CheckIn bekam ich von der Mitarbeiterin noch die Empfehlung im Slickrock Grill zu speisen, da es dort für Hotelgäste Rabatt gäbe. Eine andere Wahl hatte ich in dem kleinen Ort sowieso nicht. Meine Freundin Bille hatte mir schon zu Hause die Forelle empfohlen. Wer jetzt den Ort Hanksville sieht, würde eigentlich als letztes darauf kommen hier Forelle zu essen. Ich vertraute Bille und bestellte „Trout“. Die Forelle war echt super lecker.. Beim Bezahlen erheiterte ich die Kellnerin mit einer weiteren Empfehlungsgeschichte aus Deutschland zwecks der Forelle, und sie wusste glaub ich im ersten Moment nicht ob ich sie veräppel oder ob dies wirklich ernst gemeint war. Gestärkt verließ ich den Slickrock Grill und guckte noch im Zimmer etwas Fernsehen.

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